Erneut rechtsextremes Lager für Kinder in Mecklenburg-Vorpommern

Völkisch-bündischer „Sturmvogel“ konnte ungestört Neujahrs-Camp in Neuhof veranstalten

Eine Pressemitteilung der Antifa A3 vom 02. Januar 2010

Zum wiederholten Mal hat in Mecklenburg-Vorpommern ein einwöchiges Camp einer rechtsextremen Gruppierung ungestört stattfinden können. Vom 27. Dezember bis zum 01. Januar nahmen in der Jugend- und Freizeitstätte Recknitzberg bis zu 40 Kinder und Betreuer an der Veranstaltung des „Sturmvogels“ teil, einer rechtsextremen Gruppierung, die sich der ideologischen Erziehung von Kindern verschrieben hat. Weithin sichtbar wehte die „Sturmvogel“-Fahne über das Camp, zu dem sich in Uniformen gehüllte Kinder und minderjährige Jugendliche aus ganz Norddeutschland, viele aus dem Landkreis Nordwestmecklenburg, in Neuhof (Gemeinde Grammow, Landkreis Bad Doberan) eingefunden hatten.

„Nur auf den ersten Blick kann man die Mitglieder des ‚Sturmvogels‘ mit Pfadfindern verwechseln“, teilt Caroline Jürgens, Pressesprecherin der Antifaschistischen Gruppe A3 Rostock, mit. „Wer genauer auf die Uniformierung der Jungen und die Röcke der Mädchen, auf die Symbole und die Inhalte achtet, erkennt hinter der Gruppierung die Tradition völkisch-nationalistischer Organisationen des extrem rechten Spektrums.“

Wie auch die mittlerweile verbotene „Heimattreue Deutsche Jugend“ mit ihren intensiven Überschneidungen zur Neonazi-Szene und zur NPD stammt der „Sturmvogel“ aus der Anfang der 1990er Jahre gleichfalls verbotenen „Wiking-Jugend“. Die verschiedensten Gruppierungen dienen der in sich geschlossenen rechten Szene als Ort, um ihre Kinder mit Gleichgesinnten zusammenzubringen und ihnen frühzeitig ein rassistisches, nationalistisches und anti-demokratisches Weltbild zu vermitteln. Mit Wanderungen, Sportaktivitäten und Kraftmärschen nehmen die Camps zuweilen den Charakter von Wehrsportlagern an.

Um der Beobachtung durch die Öffentlichkeit und Verfassungsschutzbehörden zu entgehen, ist der „Sturmvogel“ streng klandestin organisiert und lässt Veranstaltungshinweise und Publikationen nur Mitgliedern zukommen. Aus diesen geht hervor, dass er sich eng an die Blut-und-Boden-Tradition von Bünden der Vorkriegszeit anlehnt, die eine Rückkehr zu vermeintlichen „germanischen“ Traditionen predigten und die ideelle und personelle Basis des Nationalsozialismus bildeten. Seit der Gründung des „Sturmvogels“ aus der „Wiking-Jugend“ heraus gab es vielfältige Verbindungen zur NPD und anderen rechtsextremen Organisationen.

„Hinter den Uniformen von Gruppen wie dem ‚Sturmvogel‘, der ‚Heimattreuen Deutschen Jugend‘ oder auch dem ‚Heimatbund Pommern‘ verbirgt sich eine weitreichende rechte Parallelwelt“, so Tobias Albrecht, Pressesprecher der Antifa A3 Rostock, weiter. „Systematisch werden Kinder hier an die menschenverachtende Ideologie des Rechtsextremismus herangeführt, um nicht nur die Basis, sondern auch die Elite einer politischen Bewegung zu bilden. Dies macht einmal mehr deutlich, dass die Auseinandersetzung gegen Rechts auf allen gesellschaftlichen Ebenen geführt werden muss.“

***

„Siedeln mit historischem Bewusstsein“
Aktueller Bericht der Landesweiten Opferberatung für Betroffene rechter Gewalt (Lobbi e.V.) über völkische Siedlungsbewegungen in MV.

„Deutscher Jugendbund – Sturmvogel“
Überblicksprofil zum „Sturmvogel“ beim Antifaschistischen Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin (apabiz e.V.).

Linke Gruppen und Vereine laden zum Ajuca

6. Alternatives Jugendcamp auf dem ehem. Militärflugplatz in Lärz

Mit dem Ziel das politische und gesellschaftliche Engagement von Jugendlichen im ländlichen Raum zu fördern und zivilgesellschaftliche Strukturen in Mecklenburg- Vorpommern zu stärken, lädt ein breites Bündnis von linken Gruppen und Vereinen zum sechsten Alternativen Jugendcamp (Ajuca) nach Lärz im Landkreis Müritz. Vom 19. bis zum 23. August erwartet Jugendliche aus dem gesamten Bundesland eine Vielzahl von Vortragsveranstaltungen und Workshops zu politischer Theorie und Praxis.

Auf der Agenda der fünftägigen Veranstaltungsreihe stehen neben der Auseinandersetzung mit Sexismus, staatlicher „Sicherheitspolitik“ und Rechtsextremismus in Mecklenburg-Vorpommern sowie antifaschistischen Interventionsmöglichkeiten auch eine Reihe ökologischer Themen. Während der Rostocker Verein Soziale Bildung e.V. mit Teilnehmern des Jugendcamps unter anderem der Frage nachgehen möchte, „wie viel Nazi“ in Bioessen steckt, beleuchten weitere Vorträge Hintergründe über rechtsextreme Siedlungsbewegungen nach dem historischen Vorbild der Artamanen im Raum Güstrow und den geplanten Bau der größten Schweinemastanlage Europas und die vielfältigen Gegenproteste im Kreis Demmin.

Wie bereits im Vorjahr soll das Ajuca 2009 mit einer Exkursion in das nahe liegende Dorf Retzow auch einen Beitrag zur Auseinandersetzung mit der lokalen NS-Geschichte und dem einst militärisch genutzten Campgelände leisten. Als Bestandteil der bundesweit bedeutenden Erprobungsstelle der Luftwaffe in Rechlin wurde dort 1944 ein Außenlager des KZ Ravensbrück errichtet, in dem bis zu 3.000 jüdische Frauen unter unmenschlichen Bedingungen und zum Ausbau des Flughafenareals Zwangsarbeit verrichten mussten.

Informationsveranstaltungen zum Demonstrationsrecht und der Organisation von Konzerten, oder Workshops die der Vernetzung auf kommunaler Ebene oder der grafischen Gestaltung von Informationsmaterial dienen, sollen zudem helfen, vorhandene Kompetenzen zu schärfen und die politische Partizipation Jugendlicher auch über das Camp hinaus zu stärken. „Die thematische Angebotsvielfalt und ein allabendliches Kultur- und Unterhaltungsprogramm dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Organisation und Durchführung des Camps von den Teilnehmern selbst getragen wird“, wie Pressesprecherin Emelie Leipold erklärt: „Das Ajuca lebt von Beteiligung, Selbstorganisation und dem Freiraum in Eigeninitiative politische Diskussionen und Veranstaltungen anzuregen.“

Anders als in den Vorjahren wird das von Vereinen und Initiativen aus der selbstverwalteten Jugendarbeit und der politischen Bildung getragene Ajuca fünf statt der bisherigen vier Tage andauern. Als Unkostenbeitrag für die vegane Verpflegung entfallen etwa fünf Euro pro Tag. Für die An- und Abreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln steht ein kostenloser Shuttle Service zwischen dem Bahnhof Mirow und dem Campgelände zur Verfügung. Interessierte werden um eine Anmeldung gebeten. Weitere Informationen: www.ajuca.de | info@ajuca.de

„Nazis aus dem Viertel jagen!“

::: Antifaschistische-Demo am 18. Juli nach brutalem Naziübergriff :::
Nazis aus dem Viertel jagen! | Euer Terror bleibt nicht ungestraft!


Am frühen Sonntagmorgen (12.7.) verletzten vier Neonazis einen 22jähirgen Neuköllner am S-Bhf. Frankfurter Allee lebensgefährlich. Die Neonazis pöbelten willkürlich Passanten an, die sich im Gang zwischen S- und U-Bahnhof Frankfurter Allee befanden. Schlugen und traten um sich. Bis sie letztlich in dem 22-jährigen linken Jugendlichen, der auf dem Weg zur S-Bahn war, ihr Opfer fanden. Auf diesen prügelten die vier Männer so lange ein, bis er das Bewusstsein verlor. Aus diesem Anlass wird am kommenden Samstag eine große Bündnis-Demonstration gegen Nazi-Terror in Friedrichshain stattfinden. Kommt alle!

Antifa-Demo:
Sa. 18. Juli 09 | 18:00 | Bersarin Platz | Friedrichshain

Soliparty für den Angegriffenen:
Sa. 24. Juli 09 | 23:00 | Köpi | Köpenickerstr. 137 | Mitte

Aufruf | Flyer | Plakat

„Ilja Ehrenburg und das Judentum“

Vortrag mit Prof. Dr. Arkady Tsfasman

18.06.2009 | 19 Uhr
Peter Weiss Haus (ehemaliges HDF) – Rostock

Ilja Ehrenburg war Jude. Sein Verhältnis zu Juden und Judentum ist dennoch nicht unumstritten. Unterschiedliche Bewertung erfahren einerseits seine Aktivitäten im Jüdischen Antifaschistischen Komitee der Sowjetunion und bei der Zusammenstellung des Materials für „Das Schwarzbuch. Der Genozid an den sowjetischen Juden“ sowie seine Rolle als Ansprechpartner für die Probleme der jüdischen Bevölkerung der Sowjetunion bis weit nach dem Krieg, andererseits sein Verhältnis zu Juden als Sowjetbürgern und zu Israel.

„Nazi-Strukturen zerschlagen!“

Antifa-Demonstration in Bad Doberan

06.06.2009 | 14:30 h
Bahnhof – Bad Doberan

Zunehmend kommt es in Bad Doberan zu Übergriffen auf nicht-rechte Jugendliche und Schmierereien, für die Neonazis verantwortlich zeichnen.
Mit der Kandidatur der NPD zur Kommunalwahl am 7. Juni versucht die rechtsextreme Szene weiter in der Gesellschaft Fuß zu fassen und ihre
Strukturen auszubauen.
Mit einer Demonstration am 06. Juni rufen wir dazu auf, dem drohenden (Wieder-)Einzug der NPD in die Kommunalparlamente gemeinsam eine klare Abfuhr zu erteilen und ein Zeichen für eine antifaschistische Gegenkultur zu setzen.

Antifa-Infotelefon: 0176 – 40 10 98 80
Ermittlungsausschuss [EA]: 0151 – 26 71 49 43

Soli-Konzert

06.06.2009 | 18:00 h
Am Kornhaus – Bad Doberan

In Anschluss zur Demo gibt es ein Soli-Konzert mit „Kein Plan“ (HGW), „Total Konfus“ (DD), „Total Panic Reaction“ (HRO), „DÄ RÄST“ (Alt Bukow) und „EARL MOSELEY AND THE MOITER-OITERS“ (DBR)

***

„Nazi-Strukturen und Kameradschaften zerschlagen!“
Infos auf der Internetseite der Antifa Bad Doberan

„Quo vadis, Ilja Ehrenburg in Rostock?“

Podiumsdiskussion mit Kommunalpolitikern

04.06.2009 | 19.30 h – 22.30 h
Peter Weiss Haus (ehemaliges HDF) – Rostock

Seit Jahren schwelt der Streit um den Namen der Ilja-Ehrenburg-Straße in Rostock-Toitenwinkel. 2007 gründete sich deshalb die Initiative Ilja Ehrenburg. Ihr Beitrag für die Wahlkampfzeit ist die Ausstellung „Ilja Ehrenburg und die Deutschen. Im Vorfeld der Kommunalwahl wollen wir mit Vertretern von Parteien, Wählervereinigungen und natürlich den Rostocker Einwohnern diskutieren, wie sich die Stadt zukünftig mit dem Straßennamen auseinandersetzen und das Gedenken an den Menschen Ilja Ehrenburg bewusst gestalten kann.

Tagesaktualität hat die Veranstaltung durch die erneute Schändung des Straßenschildes der Ilja-Ehrenburg-Straße vor einigen Tagen erhalten, indem mutmaßliche Neonazis den Straßennamen durch Hitlers Stellvertreter Rudolf Heß ersetzten.

Auf dem Podium nehmen Platz: Dr. Maria Pulkenat (AUFBRUCH 09), Günter Althaus (DIE LINKE), Christoph Friederich (FDP) und Johann-Georg Jaeger (GRÜNE) sowie Vertreter weiterer Parteien und Wählervereinigungen.

„Mach den Scheiß aus!“

Aufruf zur antifaschistischen Demonstration am 30. Mai


Rostock // 30.05.2009 // Hbf-Süd // 11:00 Uhr

Hooligans, Nazis, Rassisten – wollen sich am 30. Mai zu einem Konzert der Bremer Band Kategorie C treffen. Bereits das dritte Jahr in Folge planen Rostocker Neonazis ein Event für mehrere hunderte rechtsoffene, gewaltbereite Besucher_innen. Der Kreis der Organisator_innen liest sich wie ein who is who der Rostocker Neonaziszene.

Erstmals 2007 organisierte der damalige Hamburger Lars Jacobs mit seiner Firma „Nationale Medien Norddeutschland“ das Konzert in der Rostocker Innenstadt, dieses musste jedoch aufgrund antifaschistischer Aufklärungsarbeit in eine Scheune im Umland verlegt werden. Damals fungierte der bekannte Kader Christian Worch als Schleuser. In der Hansestadt fiel Jacobs bis dato durch das Anmelden diverser Aufmärsche sowie durch seine Aktivitäten bei der Kameradschaft Aktionsgruppe Festungsstadt Rostock [AGR] auf. Bundesweit trat er darüber hinaus als Anmelder des Großaufmarsches um den Volkstrauertag in Halbe (bei Berlin) in Erscheinung.
Im darauf folgenden Jahr übernahm der Rostocker Kameradschaftler Martin Krause die Organisation des KC-Konzertes. Jüngst betätigte sich der vorbestrafte, rechtsradikale Liedermacher Krause mehrfach als Veranstalter von Rechtsrock-Konzerten. So organisierte er beispielsweise am 15. November 2008 ein Konzert im Rostocker Hansaviertel, welches von der Polizei aufgelöst wurde. Mit von der Partie waren Szenebands wie Sturmwehr und die Liebenfelskapelle, sowie weitere neonazistische Rockbands. Der Nazibarde organisiert jedoch nicht nur solche Events, sondern tritt auch selbst bei Parteiveranstaltungen, Aufmärschen und Liederabenden auf. Seit der Landtagswahl 2006 engagiert Krause sich zunehmend auch für die NPD; so fungiert er beispielsweise während der diesjährigen Kommunalwahl am 07. Juni 2009 als Vertrauensperson für sie im Rostocker Wahlausschuss. Außerdem ist er bereits mehrfach durch Störungen öffentlicher Veranstaltungen über die rechte Szene aufgefallen. Zuletzt versuchten er und weitere Neonazis einen Infoabend mit der engagierten Journalistin Andrea Röpke zu sprengen.
Neu in diesem Jahr ist, dass der Verkauf der Karten im rechten Szeneladen „Dickkoepp“ stattfindet. Betreiber des Ladens ist Krauses alter Weggefährte und NPD-Abgeordneter Birger Lüssow, dessen Bürgerbüro sich im selben Gebäude befindet. Als Gegenleistung für den Kartenverkauf wird Lüssow wahrscheinlich wieder einen Merchandisestand auf dem Konzert stellen dürfen. So wird ganz nebenbei ein nicht unbeträchtlicher Gewinn erzielt, der letztlich in die Neonaziszene fließt und für menschenverachtende Propaganda und zur Stärkung der lokalen, rechten Strukturen eingesetzt wird.

Wir werden nicht tatenlos mit ansehen, dass Rostocker Neonazis wie Martin Krause einmal mehr versuchen, mit dem geplanten Kategorie C-Konzert eine rechte Eventkultur in der Region zu etablieren! Rechtsrock-Konzerte sind fester Bestandteil des neonazistischen Lifestyles. Sie dienen Jugendlichen oft als Einstieg in die Neonaziszene. Deshalb muss alles unternommen werden, um solche Konzerte zu verhindern!
Daher rufen wir am 30. Mai zu einer Demonstration gegen das geplante Kategorie C-Konzert auf! Geht mit uns auf die Straße und schreit: „Macht den Scheiß aus!“ – Kategorie C das Mikro klauen.“


Rostock // 30.05.2009 // Hbf-Süd // 11:00 Uhr

***
„Mach den Scheiß aus!
Mobilisierungsseite zur antifaschistischen Demonstration gegen „Kategorie C“ am 30.05.2009

Konspiratives Rechtsrock-Konzert fand mit 400 Besuchern am Sonnabend in Sanitz bei Rostock statt
Eine Pressemitteilung der Antifa A3 Rostock vom 02. Juni 2008

„Ilja Ehrenburg und die Deutschen“

Leben und Werk des sowjetischen Schriftstellers und Publizisten Ilja Ehrenburg (1891-1967) zeigt ab Freitag eine Ausstellung von Soziale Bildung e.V. und der Initiative Ilja Ehrenburg im Peter-Weiss-Haus.

Aus dem Deutsch-Russischen Museum Berlin-Karlshorst kommt die Ausstellung „Ilja Ehrenburg und die Deutschen“ jetzt nach Rostock. Nach geschichtlichen Perioden des 20. Jahrhunderts gegliedert, veranschaulicht sie in Bildern, Texten und Zitaten Ehrenburgs Rolle in seiner Zeit. Für den deutschen Betrachter besonders aufschlussreich sind ihre Materialien über Ehrenburgs Lebensjahre in Deutschland, seine Arbeit als Dokumentarist des faschistischen deutschen Vernichtungskrieges gegen die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg und die Kampagne der Deutschen Soldaten-Zeitung und National-Zeitung gegen die Herausgabe seiner Memoiren in der Bundesrepublik Deutschland Anfang der 60-er Jahre.

In Rostock dürfte die Ausstellung besonderes Interesse finden: Regelmäßig werden Forderungen erhoben, die Ilja-Ehrenburg-Straße in Rostock-Toitenwinkel umzubenennen. Auch dazu gibt es hier Informationen.

Zum Begleitprogramm gehören Vorträge, Filme, Führungen mit Diskussion für Schüler, ein Gespräch mit Einwohnern von Toitenwinkel und ein Podium mit Rostocker Kommunalpolitiker_innen.

Die Ausstellung läuft vom 8. Mai bis 28. Juni im Peter-Weiss-Haus (ehemaliges HdF).

Öffnungszeiten: Mo-Fr: 14-18 Uhr, Do: 14-20 Uhr, So: 10-16 Uhr

Eröffnung: 8. Mai, 19 Uhr

Kontakt: Initiative Ilja Ehrenburg, Tel. 0176-24894316,
für Schulen: Soziale Bildung e.V., 0381-4618248

Kleiner Ratgeber – heute: „Nazidemo blockieren“


Neonazi-Party im Jugendclub

Eine Pressemitteilung der Antifa A3 Rostock vom 05. März 2009

In der letzten Zeit sind in Rostock zunehmend Neonazis in sozialen Einrichtungen und Jugendclubs präsent. Oftmals zeigen sich Sozialarbeiter_innen überrascht, stehen dem Problem ratlos gegenüber oder ignorieren sogar rechte Feiern.

So kam es am vergangenen Sonnabend, dem 28. Februar, im Schmarler Jugendclub „Schiene“ zu einer Nazi-Party. Getarnt als Familienfeier tanzten die Anwesenden in Faschingskostümen zu Rechtsrock und grölten rechte Parolen. Anmelder der Festivität war ein bekannter Rechter aus dem Stadtteil Schmarl, der dem Neonazi-Laden Dickkoepp in der Doberaner Straße zuzuordnen ist. Anwesend waren Rechte aus dem Umfeld des Kameradschaftsspektrums wie auch der NPD. Unter ihnen befand sich etwa das NPD-Landesvorstandsmitglied und Landtagsmitarbeiter David Petereit, das als einer der führenden Köpfe der Neonazi-Szene in Mecklenburg-Vorpommern gilt.

Dies war jedoch nicht die erste Party in dem Club, der unter der Trägerschaft des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) steht: Bei einer letzten Veranstaltung, für die sich schon einmal der in dem Nazi-Laden als Verkäufer arbeitende Rechte verantwortlich zeichnete, blieben einschlägige Aufkleber wie auch Musik-CD’s mit rechtsradikalen Texten zurück. Dies schien die den Jugendclub betreuenden Sozialarbeiter_innen jedoch keineswegs zum Handeln anzuregen und eine erneute Party nicht zuzulassen.

Versuche aus der rechten Szene, öffentliche Räume zu besetzen, sind dabei in Rostock nicht auf den Jugendclub in Schmarl beschränkt. Im Stadtteilbegegnungszentrum „Heizhaus“ in der Rostocker Südstadt können rechte Jugendcliquen nicht nur ohne Störungen ein- und ausgehen und widerspruchslos ihren rassistischen Lifestyle pflegen, sondern provozieren und bedrohen sogar die Sozialarbeiter.

Ähnliche Anfänge hat es in Rostock schon einmal gegeben. Vor mehreren Jahren stand der Jugendclub Max im Rostocker Stadtteil Gross Klein im Fokus der Rechten und wurde zum festen Treffpunkt des „Kameradschaftsbunds Mecklenburg“. Wöchentlich trafen sich die Neonazis unter der Aufsicht von Sozialarbeitern, die weder Problembewusstsein noch Berührungsängste entwickelten. Letztendlich wurden die Räumlichkeiten sogar für Rechtsrockkonzerte gebucht – ähnlich wie heute in Schmarl. In anderen Orten Mecklenburg-Vorpommern sind die Rechten schon weiter: Im vorpommerschen Bargischow etwa übergab der Bürgermeister der lokalen Neonazi-Szene den Schlüssel für den örtlichen Jugendclub.

Mit der stillschweigenden oder offenen Unterstützung von Sozialarbeiter_innen oder Lokalpolitiker_innen für die Neonazis helfen sie diesen dabei, in kleinem Rahmen national befreite Zonen zu etablieren. Indem sie Jugendclubs für sich besetzen, etablieren Rechte damit Anlaufstellen für die örtliche Szene, verbreiten ihre Propaganda und rekrutieren neue Anhänger_innen: So werden aus den mit öffentlichen Geldern finanzierten Einrichtungen und unter Aufsicht von eigentlich qualifizierten Jugendsozialarbeiter_innen neue Neonazi-Locations. Aus Ignoranz gegenüber offensichtlichen und aktiven Neonazis oder im Glauben, mit den rechten Jugendlichen arbeiten zu können, werden eindeutige und politische Aktivitäten, Faschingspartys, Rechtsrockevents oder Treffen, geduldet und damit gefördert. Stattdessen sollte es Aufgabe von Sozialarbeiter_innen sein, Neonazis kein Podium für ihre Hetztiraden zu bieten, diesen entschieden entgegenzuwirken und sie aus öffentlichen Einrichtungen rauszuwerfen.



Referer der letzten 24 Stunden:
  1. images.google.de (9)
  2. google.com (9)