Archiv für Mai 2007

Neonazi-Konzert heute in Klingendorf bei Rostock

Eine Pressemitteilung der Antifa A3 Rostock vom 19. Mai 2007

Im mecklenburgischen Klingendorf südlich von Rostock veranstalten Neonazis am heutigen Abend ein Konzert mit der rechten Hooligan-Band „Kategorie C“. Mehrere hundert rechtsradikale und gewaltbereite Besucher werden erwartet.

Nachdem die Organisatoren von NMN-Veranstaltungstechnik um den bundesweit bekannten Neonazi Lars Jacobs ihr Konzert aus Rostock verlegen mußten, sind sie auf ein Privatgrundstück in dem Dorf bei Kavelsdorf, zwischen Rostock und Schwaan, ausgewichen. Die Besucher der konspirativen Veranstaltung werden vom Rostocker Bahnhof und per Telefonanweisung in das Dorf geleitet. Der Besitzer des Grundstücks im Eulenbruch 1/2 Dirk B. ist über die Hintergründe des Konzerts informiert und unterstützt das Anliegen der Veranstalter.

Die Band „Kategorie C“ fungiert als Schnittstelle zwischen dem Rechtsradikalismus und der Fußballszene. Ihre Mitglieder spielten in eindeutig rechten Bandprojekten oder traten auf Veranstaltungen von NPD- und Neonazi-Szene auf. Lars Jacobs ist als Organisator von Neonazi-Aufmärschen in Halbe und Kopf hinter vielfältigen rechten Aktivitäten in Norddeutschland bekannt.

„Mit dem Konzert wollen Neonazis versuchen, ihren Einfluss auf die Fussballszene auszubauen“, teilt Caroline Jürgens, Pressesprecherin der Antifa A3 Rostock, mit. „Wer ihnen dafür Räumlichkeiten zur Verfügung stellt, muss sich der Folgen bewußt sein. Er bietet der menschenverachtenden rechten Ideologie ein Forum und gefährdet durch Krawalle der Besucher, Polizeieinsätze und negative Publicity sich und seine Nachbarn.“

Die Antifaschistische Gruppe A3 warnt vor dem Konzert und hat in den vergangenen Tagen einen Leitfaden für Gastwirte und Clubbesitzer verteilt, wie sie Veranstaltungen von Neonazis erkennen und verhindern können.

* * *

“Unerwünschten Besuch vermeiden”
Ein Leitfaden für Club- und Gaststättenbesitzer zum Umgang mit Konzerten der rechtsextremen Szene

Neonazis suchen nach Räumen für Konzert
Pressemitteilung der Antifa A3 Rostock vom 16. Mai 2007

Neonazi-Konzert in Rostocker Innenstadt geplant
Pressemitteilung der Antifa A3 Rostock vom 08. Mai 2007

Neonazis suchen nach neuen Räumen für Konzert

Rostocker Antifa-Gruppe will mit Handreichung Gastwirte und Clubbesitzer bei Erkennung von Rechtsextremen unterstützen
Eine Pressemitteilung der Antifa A3 Rostock vom 16. Mai 2007.

Rostock – 16.05.2007 – Das für den kommenden Sonnabend, den 19. Mai, geplante Neonazi-Konzert der Band „Kategorie C – Hungrige Wölfe“ [KC] kann vorerst nicht wie geplant stattfinden. Die Betreiber eines Clubs in der Rostocker Innenstadt haben laut einer Meldung in der Schweriner Volkszeitung vom 11. Mai die Veranstaltung abgesagt. Die Antifaschistische Gruppe A3, die auf die Pläne der Neonazis hingewiesen hatte, begrüßt diesen Schritt. Zugleich will sie mit einer Handreichung Gastwirte und Clubbesitzer darin unterstützen, Veranstaltungspläne von Rechtsextremen zu erkennen und abzuweisen. Denn diese suchen auch momentan nach neuen Räumlichkeiten für ihr Konzert, die sie dieser Tage bekanntgeben wollen.

„Immer wieder kommt es vor, dass die Besitzer von Kneipen, Gaststätten oder Clubs von rechtsextremen Veranstaltungen in ihren Räumlichkeiten überrascht werden“, so Caroline Jürgens, Pressesprecherin der Antifa A3 Rostock. „Sie müssen anschließend die Folgen von Krawallen, Polizeieinsätzen, negativer Berichterstattung und verschreckten Gäste ausbaden.“ Die Antifa A3 wird ihren Leitfaden zum Umgang mit Konzerten der rechtsextremen Szene unter dem Titel „Unerwünschten Besuch vermeiden“ weiträumig in Rostock verteilen. In ihm wird erklärt, woran man Neonazis erkennt, wie man mit uneindeutigen Anfragen umgehen sollte und welche Behörden und Institutionen man für weitere Informationen kontaktieren kann.

Die Band „Kategorie C – Hungrige Wölfe“ fungiert als Schnittstelle zwischen Neonazi-Szene und Fußballfans. Ihre Mitglieder spielten in anderen bekannten rechtsextremen Bands und traten auf eindeutigen Neonazi- und NPD-Veranstaltungen auf. Organisiert wird das für Sonnabend geplante Konzert von „NMN-Veranstaltungstechnik“ um den aus Rostock kommenden, bundesweit bekannten Neonazi Lars Jacobs. Erst kürzlich wurde gegen ihn vor dem Landgericht Lübeck wegen der Verbreitung der rechtsextremen Schulhof-CD verhandelt. Mit dem Konzert wollen organisierte Neonazis offensichtlich versuchen, weiteren Einfluss in der Fußball-Szene Rostocks zu erlangen.

* * *

„Unerwünschten Besuch vermeiden“
Ein Leitfaden für Club- und Gaststättenbesitzer zum Umgang mit Konzerten der rechtsextremen Szene

Neonazi-Konzert in Rostocker Innenstadt geplant
Pressemitteilung der Antifa A3 Rostock vom 08. Mai 2007

Neonazi-Konzert in Rostocker Innenstadt geplant

Rechtsradikale wollen mit Auftritt von „Kategorie C“ Einfluss in der Fußball-Szene erlangen.
Eine Pressemitteilung der Antifa A3 Rostock vom 08. Mai 2007

Die rechtsradikale Hooligan-Band „Kategorie C – Hungrige Wölfe“ (KC) aus Bremen plant für den 19. Mai 2007, unmittelbar vor dem letzten Spieltag in der 2. Bundesliga, im Rahmen ihrer so genannten „Sport Frei!“-Tour ein Konzert in Rostock. Ausgerichtet wird die Veranstaltung von einer Firma um den bundesweit bekannten Rostocker Neonazis Lars Jacobs. Es ist geplant, dass das Konzert im Club Moya stattfindet. Der Besitzer Kay Mieske, Vorsitzender der Jungen Union Rostock und stellvertretender Vorsitzender des Rostocker CDU-Kreisverbandes, wurde bereits über die Hintergründe der Band und des Veranstalters informiert.

Für die Polizei ist die Terminologie „Kategorie C“ eine Bezeichnung für besonders gewaltbereite Fußballfans, für die Hooligan-Band ist der Name Programm: mit gewaltverherrlichenden Texten über die so genannte „3. Halbzeit“, Alkoholexzesse und Kameradschaft bemüht sich die Band seit ihrer Gründung im Jahr 1997, rassistische Stimmung in Fußballstadien zu etablieren. Obwohl die Bandmitglieder versuchen, sich in der Öffentlichkeit als unpolitische Hooligans zu präsentieren, sind personelle Überschneidungen zur Neonazi-Szene offenkundig. Ihre Konzerte fungieren als Schnittstelle zwischen rechtsextremen Hooligans und militanten Neonazis.

Frontsänger Hannes Ostendorf, der sich „Kategorie C – KC Die Band“ als Wort- und Bildmarke schützen ließ, war 1991 an einem Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft in Bremen beteiligt und wurde dafür rechtskräftig verurteilt. Er spielte auch in der konspirativ agierenden Band „Nahkampf“, die dem in Deutschland verbotenen „Blood & Honour“-Netzwerk nahesteht. Mehrere Alben dieser Band wurden indiziert. 2001 veröffentlichte „Nahkampf“ ein Gemeinschaftsprojekt mit der russischen Neonaziband Kolovrat (Hakenkreuz). Mitglieder von KC spielten zudem auch in der neonazistischen Band „Boots Brothers“.

Die letzte CD der Band „Kategorie C“ erschien bei „PC-Records“, das dem neonazistischen Ladengeschäft und Versand „Backstreet Noise“ angehört. Mehrfach veröffentlichte die Band auf teilweise indizierten Neonazi-Samplern mit einschlägig bekannten Bands wie Landser oder Stahlgewitter, duldete rechtsextreme Propaganda von NPD- und Neonazi-Funktionären und trat mit rechtsextremen Bands und auf Veranstaltungen auf, die von Neonazis organisiert wurden.

Das gilt auch für das in Rostock geplante Konzert. Hinter der für das Konzert verantwortlich zeichnenden „NMN-Veranstaltungstechnik“ verbirgt sich der gebürtige Rostocker Neonazi Lars Jacobs. Er war Mitglied der neonazistischen und mittlerweile verbotenen „Wiking-Jugend“, Aktivist der verbotenen „Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei“ und verfügt über internationale Kontakte zur organisierten Rechten. Jacobs war zudem langjähriger Kameradschaftsführer in der Hansestadt und fungiert bis heute als Redner und Organisator von rechtsextremen Aufmärschen wie den alljährlich stattfindenden Demonstrationen auf dem Soldatenfriedhof in Halbe.

„Es gilt, das braune Rechtsrock-Geschäft und die geplante Propagandaveranstaltung für die menschenverachtende Ideologie der Neonazis zu unterbinden“, so Caroline Jürgens, Pressesprecherin der Antifa A3 Rostock. „Nicht-rechte Fan-Initiativen sind einmal mehr dazu angehalten, sich gegen rechte Vereinnahmungsversuche zur Wehr zusetzen und eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit Rassismus und Diskriminierung im Fußball zu fördern. Neonazis haben in der Fußball- und Hooligan-Szene nichts zu suchen.“

* * *

„Politik ist Politik und Fußball ist Fußball?“
Beitrag zu Kategorie C bei Turn it down!

„Hannes Ostendorf – ein Herrenmensch räumt auf“
Infos über Kategorie C und ihren Frontsänger bei der Antifa Bremen

Ilja-Ehrenburg-Straße muss ihren Namen behalten!

Ilja-Ehrenburg-Straße im Rostocker Stadtteil Toitenwinkel

Offener Brief an die Hansestadt Rostock und ihren Oberbürgermeister,
Herrn Roland Methling,

Uns ist das Vorhaben des Oberbürgermeisters der Hansestadt Rostock bekannt geworden, in einer der nächsten Sitzungen der Bürgerschaft einen Beschluss über die Umbenennung der Ilja-Ehrenburg-Straße in Rostock-Toitenwinkel herbeizuführen.

Wer war Ilja Ehrenburg?
Ilja Grigorjewitsch Ehrenburg (1891 Kiew –1967 Moskau) war Schriftsteller, Publizist, Übersetzer aus mehreren Sprachen und Dichter. Er berichtete bereits von den Fronten des Ersten Weltkrieges, erlebte den gesamten Spanischen Bürgerkrieg auf Seiten des republikanischen Spanien vor Ort, war der meistgelesene sowjetische Journalist im Zweiten Weltkrieg, engagierte sich im Kampf gegen den Antisemitismus und in der internationalen Friedensbewegung. Unter anderem ist Ehrenburg als einer der Redakteure des Schwarzbuches über den Genozid der faschistischen deutschen Eroberer an den sowjetischen Juden bekannt. Er war Jude und hielt, obwohl er nicht gläubig war, als Zeichen des Widerstandes gegen den Antisemitismus an dieser Identität fest. Ilja Ehrenburg war schon zu seinen Lebzeiten eine internationale Berühmtheit.
Seine Werke sind in viele Sprachen übersetzt.

Was wird Ilja Ehrenburg vorgeworfen, und was ist von diesen Vorwürfen zu halten?
• Ehrenburg war Stalinist.
Tatsache ist: Ilja Ehrenburg war Kommunist und deshalb schon in jungen Jahren gezwungen, aus dem zaristischen Russland zu emigrieren. Seine kosmopolitische Lebens- und Denkweise rief oft das Misstrauen der sowjetischen Staatsführung hervor. 1937 entging er nur knapp den Stalinschen Säuberungen. Einen im Zusammenhang mit Umsturzvorwürfen an jüdische Ärzte im Jahr 1953 lancierten Brief von Intellektuellen mit der Bitte um Deportation aller sowjetischen Juden unterzeichnete er nicht. Der Titel seines Romans „Tauwetter“ ist als symbolische Bezeichnung für die Nachstalinzeit in die Geschichte eingegangen. Ehrenburg war in seiner Zeit aktiv und hat im Interesse dessen, was ihm am Herzen lag und was er bewirken wollte, manchen Kompromiss geschlossen. Widersprüche in seiner Biographie müssen gegen sein Lebenswerk abgewogen werden.

• Ehrenburg war ein Deutschenhasser.
Tatsache ist: Ilja Ehrenburg lebte mehrere Jahre in Deutschland und arbeitete dort publizistisch und literarisch, er verfügte über tiefgreifende Kenntnisse zur deutschen Kultur und besaß ein umfangreiches politisches Wissen über Deutschland. In der Zeit des Zweiten Weltkrieges lebte er in seiner Heimat und schrieb täglich für die Presse über die Lage an den Fronten und im Hinterland der deutschen Aggressoren. Angesichts der Grausamkeit des faschistischen Krieges, dem mehr als 20 Millionen Sowjetbürger zum Opfer fi elen, rief er zur entschlossenen Verteidigung der Sowjetunion auf. Diese Verteidigung konnte nur durch Zurückschlagen und, wenn immer nötig, auch durch das Töten des Aggressors geleistet werden.

Wer erhebt diese Vorwürfe?
Ehrenburgs Werke fi elen 1933 in Deutschland den Bücherverbrennungen zum Opfer. Sein Name stand auf der Sonderfahndungsliste des Reichssicherheitshauptamtes. Am 22. September 2001 demonstrierten ca. 300 Neonazis für eine Umbenennung der Ilja-Ehrenburg-Straße durch Rostock-Toitenwinkel. Am Rande des Aufmarsches wurden Jugendliche von Neonazis angegriffen und das Straßenschild mit einem Müllsack verhängt. 2003 überklebten vermutlich Neonazis die Straßenschilder der Ilja-Ehrenburg-Straße mit Aufklebern „Rudolf-Heß-Straße“.
Die Gefahr, mit einer Umbenennung der Straße objektiv den Neonazis und ihrer antisemitischen und geschichtsrevisionistischen Hetze in die Hände zu spielen, ist groß. Rostock hat noch nach jahrelangen Bemühungen Defi zite bei der Aufarbeitung der politischen Aspekte seiner Technik- und Industriegeschichte. Die Stadt hat darum alle Gründe, erneute Rufe nach einer Umbenennung der Ilja-Ehrenburg-Straße kritisch auf ihre historische Berechtigung und ihren politischen Gehalt zu prüfen.

Erstunterzeichner/innen:
Althaus, Günter (Bürgerschaft Rostock, Fraktion Die Linke.PDS) // Bartels, Gerhard (Bürgerschaft Greifswald) // Engel, Adelia (Vors. Freunde der russischen Sprache e.V.) // Fuchs, Christel (Bürgerschaft Rostock, Fraktion Rostocker Bund) // Jahnke, Karl Heinz (Historiker) // Jawinsky, Johanna (Historikerin) // Karger, Harald (Berufsschullehrer i.R.) // Köppen, Peter (Historiker) // Kriegel, Ingeburg (Ortsbeirat Rostock-Toitenwinkel) // Leuchter, Wolfgang (Regionalwissenschaftler, Kreisvors. Linkspartei.PDS) // Leypold, Markus E. (Physiker) // Lück, Regine (MdL, Fraktion Die Linke) // Mannewitz, Cornelia (Slawistin) // Methling, Wolfgang (Vors. Fraktion Die Linke im Landtag MV) // Piontek, Steffen (Regisseur und Intendant) // Rabe, Hannelore (Dipl.-Päd.) // Rabe, Ulrich (Ingenieur) // Reinders, Jutta (DGB, Vors. Region Rostock/Mittleres Mecklenburg) // Schädel, Monty (stellv. Landesvors. VVN-BdA MV) // Speckin, Verina (Rechtsanwältin)

Organisationen:
Antifaschistische Gruppe A3 Rostock // Rostocker Friedensbündnis // Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten, BO Rostock (VVN-BdA) //

***

Ilja-Ehrenburg-Straße muss ihren Namen behalten!
Offener Brief an die Hansestadt Rostock und eine Unterschriftenliste zum Erhalt der Ilja-Ehrenburg-Straße.