Neonazi-Konzert in Rostocker Innenstadt geplant

Rechtsradikale wollen mit Auftritt von „Kategorie C“ Einfluss in der Fußball-Szene erlangen.
Eine Pressemitteilung der Antifa A3 Rostock vom 08. Mai 2007

Die rechtsradikale Hooligan-Band „Kategorie C – Hungrige Wölfe“ (KC) aus Bremen plant für den 19. Mai 2007, unmittelbar vor dem letzten Spieltag in der 2. Bundesliga, im Rahmen ihrer so genannten „Sport Frei!“-Tour ein Konzert in Rostock. Ausgerichtet wird die Veranstaltung von einer Firma um den bundesweit bekannten Rostocker Neonazis Lars Jacobs. Es ist geplant, dass das Konzert im Club Moya stattfindet. Der Besitzer Kay Mieske, Vorsitzender der Jungen Union Rostock und stellvertretender Vorsitzender des Rostocker CDU-Kreisverbandes, wurde bereits über die Hintergründe der Band und des Veranstalters informiert.

Für die Polizei ist die Terminologie „Kategorie C“ eine Bezeichnung für besonders gewaltbereite Fußballfans, für die Hooligan-Band ist der Name Programm: mit gewaltverherrlichenden Texten über die so genannte „3. Halbzeit“, Alkoholexzesse und Kameradschaft bemüht sich die Band seit ihrer Gründung im Jahr 1997, rassistische Stimmung in Fußballstadien zu etablieren. Obwohl die Bandmitglieder versuchen, sich in der Öffentlichkeit als unpolitische Hooligans zu präsentieren, sind personelle Überschneidungen zur Neonazi-Szene offenkundig. Ihre Konzerte fungieren als Schnittstelle zwischen rechtsextremen Hooligans und militanten Neonazis.

Frontsänger Hannes Ostendorf, der sich „Kategorie C – KC Die Band“ als Wort- und Bildmarke schützen ließ, war 1991 an einem Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft in Bremen beteiligt und wurde dafür rechtskräftig verurteilt. Er spielte auch in der konspirativ agierenden Band „Nahkampf“, die dem in Deutschland verbotenen „Blood & Honour“-Netzwerk nahesteht. Mehrere Alben dieser Band wurden indiziert. 2001 veröffentlichte „Nahkampf“ ein Gemeinschaftsprojekt mit der russischen Neonaziband Kolovrat (Hakenkreuz). Mitglieder von KC spielten zudem auch in der neonazistischen Band „Boots Brothers“.

Die letzte CD der Band „Kategorie C“ erschien bei „PC-Records“, das dem neonazistischen Ladengeschäft und Versand „Backstreet Noise“ angehört. Mehrfach veröffentlichte die Band auf teilweise indizierten Neonazi-Samplern mit einschlägig bekannten Bands wie Landser oder Stahlgewitter, duldete rechtsextreme Propaganda von NPD- und Neonazi-Funktionären und trat mit rechtsextremen Bands und auf Veranstaltungen auf, die von Neonazis organisiert wurden.

Das gilt auch für das in Rostock geplante Konzert. Hinter der für das Konzert verantwortlich zeichnenden „NMN-Veranstaltungstechnik“ verbirgt sich der gebürtige Rostocker Neonazi Lars Jacobs. Er war Mitglied der neonazistischen und mittlerweile verbotenen „Wiking-Jugend“, Aktivist der verbotenen „Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei“ und verfügt über internationale Kontakte zur organisierten Rechten. Jacobs war zudem langjähriger Kameradschaftsführer in der Hansestadt und fungiert bis heute als Redner und Organisator von rechtsextremen Aufmärschen wie den alljährlich stattfindenden Demonstrationen auf dem Soldatenfriedhof in Halbe.

„Es gilt, das braune Rechtsrock-Geschäft und die geplante Propagandaveranstaltung für die menschenverachtende Ideologie der Neonazis zu unterbinden“, so Caroline Jürgens, Pressesprecherin der Antifa A3 Rostock. „Nicht-rechte Fan-Initiativen sind einmal mehr dazu angehalten, sich gegen rechte Vereinnahmungsversuche zur Wehr zusetzen und eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit Rassismus und Diskriminierung im Fußball zu fördern. Neonazis haben in der Fußball- und Hooligan-Szene nichts zu suchen.“

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„Politik ist Politik und Fußball ist Fußball?“
Beitrag zu Kategorie C bei Turn it down!

„Hannes Ostendorf – ein Herrenmensch räumt auf“
Infos über Kategorie C und ihren Frontsänger bei der Antifa Bremen

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