Archiv für Juni 2007

Neonazis bereiten sich auf Gewalt vor

Lächeln sieht anders aus

Vor NPD-Demonstration am Sonnabend in Rostock Ankündigungen massiver Gewalttaten auf rechten Internetseiten
Eine Pressemitteilung der Antifa A3 Rostock vom 28. Juni 2007

Im Vorfeld einer NPD-Demonstration am kommenden Sonnabend in Rostock kündigen Neonazis im Internet offen und verdeckt weitreichende Gewalttaten an. Die NPD benennt bereits Ziele für ihr gewaltbereites Klientel. Antifaschist/innen warnen Anwohner/innen und Gastwirte der Stadt vor Angriffen durch die Rechten.

Auf populären Nachrichtenseiten der Neonazi-Szene wähnt man sich zurück in den Unruhen der späten Weimarer Republik. „Auch zum damaligen Zeitpunkt war Terror oft nur mit Gegenterror in den Griff zu bekommen.“ Offen ruft man dazu auf, „linkslastige Einrichtungen“ Rostocks am Sonnabend „zum Zielobjekt entsprechender Gegenmaßnahmen“ zu machen. Jedes Geschäft, jede Gaststätte, jede Kneipe, die die Rechten als „links“ deuten, könnte so zum Ziel von Angriffen werden. Die NPD hat in ihrem Aufruf zur Demonstration bereits ein Café in Rostock explizit genannt. Das Publikum, das die Partei erwartet, antwortet mit der Ankündigung, linke Projekte in „Schutt und Asche“ legen zu wollen. Aus dem Umfeld des Neonazi-Ladens um den Betreiber Thorsten de Vries heißt es: „Seit bitte kreative und fahrt nach der Demo nicht gleich nach Hause sondern trinkt Abends in den Studentenkneipen der Rotfrontler noch ein paar Bier oder einen Kaffee.“ Auch der Angriff von Wohnungen vermeintlicher Linker wird in der Szene genannt: „Dann tragen wir den Krieg zu ihnen nach Hause. Da gibt es auch Fensterscheiben.“

Die Neonazis benennen deutlich die Mittel, mit denen sie gegen all jene vorgehen wollen, die sie als ihre Gegner ausmachen: Erhebliche Gewalttaten bis hin zum Mord. „Bewaffnet Euch und erschiesst das Gesindel!“, heißt es etwa in einem Kommentar. In einem anderen wird die Erwartungshaltung der Rechten für den kommenden Sonnabend deutlich: „Ich persönlich hoffe ja auf zünftige Straßenschlachtszenen wie zu Weimarer Zeiten. Wenn Gewaltanwendung unvermeidlich wird, dann aber bitte ohne Rücksicht auf Verluste und so, daß es dem Antifapack noch wochenlang schwere Selbstbewußtseinsstörungen, wenn nicht dauerhafte Schäden verursacht!“ Und auch über die Pläne in den folgenden Wochen spricht man sich aus: „Im Fall Rostock braucht sich die Antifa nicht wundern, wenn es demnächst regelmäßig vor die Birne gibt und einige Leute im größeren Umkreis stink sauer sind.“ Bewußt will man außerdem Auseinandersetzungen provozieren, um dann mit aller Härte gegen Antifaschist/innen vorzugehen.

Diese radikalen Äußerungen aus der rechten Szene rühren aus einer politischen Sicht her, die nur Gut und Böse, Konflikt und Kampf kennt und Politik mit Gewalt verbindet. Die Betreiber des Neonazi-Ladens spiegeln diese Emotionen wider, indem sie Rostock zur „Frontstadt“ erklären, „Keine Kapitulation“ als Maxime ausgeben und schreiben: „Kommt die nästen Monate lieber jedes Wochenende nach Rostock und kämpft.“ Die lokale Auseinandersetzung in Rostock wird verbunden mit jenem Kampf gegen die Demokratie, in dem man sich selber sieht. „Wir sind im Krieg“, heißt es in Internetforen. „In dem Krieg der unmittelbar bevorsteht, wird es keine echten Sieger geben, nur Überlebende.“ Ein anderer Schreiber sieht die Gegner/innen des rechten Ladens in Rostock als Teil einer großen Verschwörung gegen das deutsche Volk und hat die Lösung schon parat: „Ansonsten: bewaffnet Euch und erklärt die Störer wie die politisch Verantwortlichen für vogelfrei. Nicht nur in Rostock- Landes-und bundesweit. Es geht nicht mehr parlamentarisch.“

Bereits in der Vergangenheit war es aus dem Umfeld des Ladens zu Übergriffen auf Passanten durch Neonazis gekommen. Zur Eröffnung bewaffneten sich die Betreiber und Besucher – darunter auch der NPD-Landtagsmitarbeiter David Petereit – mit Eisenstangen und bedrohten Antifaschist/innen.

„Die verbale Androhung von Gewalt im Internet geht einher mit dem Kampf der Neonazis um die Straße“, erklärt dazu Caroline Jürgens, Pressesprecherin der Antifaschistischen Gruppe A3. „Wer den Neonazis um die NPD und die Kameradschaften jedoch die Straße läßt, übergibt ihnen den öffentlichen Raum. Drohungen, Einschüchterungen und Übergriffe sind die Folge. Deshalb gilt es, den Neonazis offensiv, entschieden und vielfältig entgegenzutreten.“

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Radau gegen Rechts
Artikelsammlung zu den Aktivitäten um den Nazi-Laden auf links-lang.de

„Final Countdown in Rostock?“
Feature mit aktuellen Berichten und dem Stand der Mobilisierung bei Indymedia

„East Cost Corner“ dichtmachen!
Flyer gegen den Rostocker Nazi-Laden

Spontane Demo gegen Rostocker Nazi-Laden
Pressemitteilung der Antifa A3 Rostock vom 15. Juni 2007

Radio-Interview zum Rostocker Nazi-Laden „East Coast Corner“

Über den Rostocker Naziladen „East Coast Corner“ und antifaschistische Gegenaktivitäten sprach Tobias von der Antifa A3 im Mittagsmagazin von Radio Corax, dem freien, nicht kommerziellen Lokalradio im Raum Halle.

Spontane Antifa-Demo gegen Rostocker Nazi-Laden

Rostocker Nazi-Laden \"East Coast Corner\"

Neonazis drohen vor dem Rostocker Nazi-Laden „East Coast Corner“ mit Knüppeln gegen unliebsame Proteste, unter ihnen auch NPD-Angestellter David Petereit.
Eine Pressemitteilung der Antifa A3 Rostock vom 15. Juni 2007

Mit einer spontanen Demonstration haben heute in Rostock etwa 60 Antifaschist/innen gegen die Eröffnung eines Neonazi-Ladens protestiert. Als Neonazis die Demonstration aus dem Laden heraus anzugehen versuchten, drohte die Situation kurzzeitig zu eskalieren. Das besonnene Verhalten der Demonstrant/innen verhinderte jedoch Gewalt.

Das Ladengeschäft „East Coast Corner“ wurde heute in der Doberaner Straße 48, Ecke Budapester Straße, eröffnet. Nicht nur die Werbung in einschlägigen Foren oder das Logo, das an Symbolik der Nationalsozialisten anknüpft, macht deutlich, dass es sich um einen Laden von Neonazis für Neonazis handelt. In den Betrieb involviert ist zudem Torben Klebe, Neonazi-Kader aus Hamburg. Seit den frühen Neunzigern ist er in der rechtsradikalen Szene aktiv, war wegen der Verbreitung illegaler Propaganda in Untersuchungshaft und wurde verurteilt und war in der inzwischen verbotenen Organisation „Blood & Honour“ sehr aktiv.

Antifaschist/innen machten mit Flugblättern auf den Laden und die menschenverachtende Ideologie der Neonazis aufmerksam. Sie befürchten in der Eröffnung des Ladens mitten in der Kröpeliner Tor-Vorstadt einen Angriff auf die Offenheit und Toleranz, die dieses Stadtviertel Rostocks bisher auszeichnete. „Wenn sich Rechtsradikale aus dem ganzen Land künftig in und vor dem Laden treffen, verbotene Lieder und Parolen grölen oder jene anpöbeln und angreifen, die nicht in ihr beschränktes Weltbild passen, sind die Sicherheit und das Image aller Nachbarn, Kunden der verschiedenen Läden und Angestellten der Firmen in der Umgebung bedroht“, heißt es in einem verteilten Flyer. „Der Einfluss eines Umschlagplatzes für Rassismus, Nationalismus, Antisemitismus und Gewalt auf das öffentliche Klima in der Stadt wird verheerend sein.“

Die Demonstration begann gegen 16 Uhr und führte durch die Doberaner Straße. Als sie den Laden erreichte, kamen aus ihm Neonazis auf die Demonstranten zu und bewaffneten sich mit Knüppeln. Eine einzelne Flasche flog aus dem Zug, landete zwischen den beiden Gruppen und trennte sie voneinander. Um keine Eskalation aufkommen zu lassen, zogen sich die Antifaschist/innen weiter auf die gegenüberliegende Straßenseite zurück, machten auf ihr Anliegen aufmerksam und beendeten kurz darauf ihre Demonstration. Unter den Neonazis, die die Demonstrant/innen mit Knüppeln bedrohten, war auch David Petereit, der als Wahlkreismitarbeiter für den NPD-Landtagsabgeordneten Birger Lüssow angestellt ist. Ein anderer Neonazi glorifizierte in verschlüsselter Form auf seinem T-Shirt die SS (Schutzstaffel), die für die Massenmorde des Nationalsozialismus verantwortlich ist.

„Die Spontandemonstration schon zur Eröffnung eines Nazi-Ladens zeigt, dass die Propaganda der Neonazis in Rostock nicht ohne Widerspruch bleibt“, schätzt Tobias Albrecht, Pressesprecher der Antifa-Gruppe A3, die Ereignisse ein. „In vielen Städten Mecklenburg-Vorpommerns gehören rechte Szene-Geschäfte leider schon zur Normalität. Wir werden immer wieder auf die Straße gehen, damit das in Rostock nicht passiert. Es gilt, auf unterschiedlichen Wegen aktiv zu werden, damit der Nazi-Laden dichtmachen muss.“

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„East Cost Corner“ dichtmachen!
Flyer gegen den Rostocker Nazi-Laden

„Rechter Szeneladen in Rostock eröffnet – NPD-Wahlkreismitarbeiter mit Eisenstange bewaffnet“
Artikel auf Endstation-Rechts.de

„Spontan-Demo gegen Nazi-Laden in Rostock“
ausführlicher Indymedia-Bericht mit Fotos

„Spontandemo gegen Naziladen in Rostock“
Kurzmeldung auf Indymedia mit Fotos