„The Truth lies in Rostock“

Gestern Eröffnung von Veranstaltungsreihe zu „Lichtenhagen ’92″ – Dokumentation soll breitem Publikum zugänglich gemacht werden
Eine Pressemitteilung der Initiative “Lichtenhagen begreifen” vom 30.08.2007

Mit dem Film „The Truth lies in Rostock“ (Die Wahrheit lügt in Rostock) und einem Vortrag von Augenzeuge Ols Weidmann, der am Film mitgewirkt hatte, wurde gestern eine Veranstaltungsreihe zur Erinnerung an das Pogrom von Rostock-Lichtenhagen eröffnet. Etwa 40 Zuhörer waren der Einladung der Initiative „Lichtenhagen begreifen“ in den Waldemarhof gefolgt, um die Ereignisse von 1992 zurück in den Blick der Öffentlichkeit zu holen.

Auch 15 Jahre nach dem Pogrom von Rostock-Lichtenhagen stand das völlige Fehlverhalten von staatlichen Behörden und Polizei in der Kritik. Lichtenhagen sei beispielhaft dafür, „wie es für einen kurzen Zeitraum möglich war, dass Behörden gänzlich die Kontrolle verlieren und Verantwortlichkeiten wissentlich von sich weisen“, so Rechtsanwalt Ols Weidmann. Betroffen zeigte sich eine Zuhörerin und verwies darauf, dass „seltsamer Weise noch immer keine Gedenktafel an das Pogrom von Rostock-Lichtenhagen erinnert.“

„The Truth lies in Rostock“ sollte die „Situation in der Stadt einfangen“ und „Erklärungen liefern, von Menschen die dort wohnen,“ beschreibt Ols Weidmann die Entstehung der umfassenden Dokumentation über die Ereignisse von 1992. Nach einem dreiviertel Jahr intensiver Arbeit wurde der Film zunächst im britischen, später im deutschen Fernsehen ausgestrahlt und in zahlreiche Sprachen übersetzt. Für die Uraufführung in Rostock diente einst der Barocksaal im Rathaus. Das „Institut für neue Medien“ sucht derweil Förderer, um das zeitgeschichtliche Dokument 15 Jahre später in DVD-Format zu übertragen, um es einem breiten Publikum zugänglich zu machen.

Mit mehreren Ankündigungen in der Lokalpresse begannen im August 1992 die Angriffe auf eine Flüchtlingsunterkunft in Rostock-Lichtenhagen und griffen schnell auf ein benachbartes Wohnheim von Vertragsarbeitern aus Vietnam über. Fast unbehelligt von der Polizei und mit Unterstützung tausender Anwohner konnten die Angreifer tagelang wüten. Um „Einsatzwillen“ zu zeigen wurden hingegen Antifaschisten festgenommen, die mit einer spontanen Demonstration ihre Solidarität mit den Angegriffenen bekunden wollten.

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Verantwortung denken. Erinnerung schaffen.“ thematisieren vielfältige Veranstaltungen und Podiumsdiskussionen vom 29. August bis zum 4. Oktober 2007 und Podiumsdiskussionen mit namhaften Referentinnen und Referenten die Geschehnisse von 1992 und beleuchten die Hintergründe des Pogroms. Am 4. September wird Freerk Huisken, Professor an der Universität Bremen, über Rassismus aus der Mitte der Gesellschaft referieren. Die Veranstaltung „Warum Demokraten die (Neo-)Faschisten nur verbieten, nicht aber kritisieren können“ beginnt um 19 Uhr im Institut der Physik am Universitätsplatz 3.

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„Verantwortung denken. Erinnerung schaffen.'‘
Flyer zur Veranstaltungsreihe

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