„NPD-Verbot ist das Gegenteil von Auseinandersetzung“

Hitzige Diskussionen über Rassismus ‚aus der Mitte’ in der Rostocker Universität
Eine Pressemitteilung der Initiative “Lichtenhagen begreifen” vom 05.09.2007

Gemeinsam mit Freerk Huisken und der Initiative ‚Lichtenhagen begreifen’ diskutierten gestern etwa 70 Interessierte im Rostocker Institut der Physik über Rassismus und ein Verbot der NPD. Die Veranstaltung „Warum Demokraten die (Neo-)Faschisten nur verbieten, nicht aber kritisieren können“, war Teil der Veranstaltungsreihe „Verantwortung denken. Erinnerung schaffen.“ zur Erinnerung an das Pogrom von Rostock-Lichtenhagen.

Freerk Huisken, Professor der Universität Bremen, hat sich unter anderem in „Deutsche Lehren aus Rostock und Mölln“ und „Brandstifter als Feuerwehr: Die Rechtsextremismus-Kampagne“ ausführlich mit Rassismus und den Ereignissen von Lichtenhagen auseinandergesetzt.
Huisken ging der Frage nach, inwieweit die Demokratie Neofaschismus selbst hervorbringt und wie der Umgang damit zu bewerten ist.

Der Fall Mügeln habe gezeigt, wie die „allgemeine Verbreitung von Rassismus“ angeführt wird, um neofaschistische Gewalt zu verharmlosen: „Der Sumpf aus dem sich der organisierte Rechtsextremismus nährt – und wie im Fall „Lichtenhagen ’92“ Beifall klatscht – soll mit dem organisierten Rechtsextremismus nichts zu tun haben,“ kritisierte Huisken und geht auf Konfrontation mit Parteipolitikern: „Alle Politiker teilen den nationalistischen Standpunkt zu Deutschland, der bei den Neofaschisten auch zu finden ist. […] Die verprügelten Inder fallen den Politikern nur ein, aufgrund der Angst um das moralische Ansehen und den Standortfaktor Deutschland.“
Im „Kern der Verbotsdebatte“ demokratischer Parteien um die rechtsextreme NPD, sieht Huisken „die parlamentarische und außerparlamentarische Konkurrenz durch Neofaschisten“. Laut Huisken, käme ein NPD-Verbot dem Ende der Auseinandersetzung gleich, außerdem würde hier „mit faschistischen Methoden gegen Faschisten“ vorgegangen. Zu seinem Bedauern, weicht die inhaltliche Auseinandersetzung mit der Programmatik neofaschistischer Parteien und Organisationen oftmals der Stigmatisierung und dem Ruf nach staatlicher Gewalt.

Die NPD, so genannte „Freie Kameradschaften“ und neonazistische Gewalt werden am 10. September noch mal Schwerpunktthema der Veranstaltungsreihe sein. Der Hamburger Journalist und Autor, Andreas Speit, wird über den „modernen Rechtsextremismus“ referieren. Speit recherchiert seit Jahren zur Neonazi-Szene in Norddeutschland. Aktuell veröffentlichte er: „Rechtsextremisten in Norddeutschland. Wer sie sind und was sie tun!“. Die Veranstaltung „Von Lichtenhagen in den Landtag“ beginnt um 19 Uhr beim Verein „Dau wat“, Am Schmarler Bach 3.

Bis zum 4. Oktober 2007 erinnert die Initiative „Lichtenhagen begreifen“ mit Vorträgen und Diskussionsrunden an das Pogrom von 1992. An der Auseinandersetzung mit der bisherigen Aufarbeitung der Ereignisse, beteiligen sich unter anderem namhafte Referentinnen und Referenten wie Beate Klarsfeld, Andreas Speit und Dr. Hajo Funke.

***

Freerk Huisken
Texte, Termine und weitere Informationen von und über Huisken

„Verantwortung denken. Erinnerung schaffen.'‘
Flyer zur Veranstaltungsreihe

weitersagen:
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email
  • MySpace
  • Tumblr

1 Antwort auf “„NPD-Verbot ist das Gegenteil von Auseinandersetzung“”


  1. 1 besserscheitern 12. September 2007 um 13:09 Uhr

    Eure PM verschweigt, was sicherlich in der Art der Textform begründet liegt, dass Huisken mit bisweilen heftigen Polemiken gegen eine fehlende inhaltliche Auseinandersetzung durch die Linke geschossen hat. Gerade darin lag der erfrischend andere Charakter dieses rundum gelungenen Abends.

    Während Andreas Speit in dieser Woche vermutlich wieder decodiert hat was das Zeug hält, machte Huisken seine Kritik an dieser Praxis klar. Es scheint, so kritisierte Husiken, bei der Aufklärung im Sinne von Decodierung die Prämisse zu Grunde zu liegen, die guten Bürger könnten aus Versehen sich den Nazis zuwenden, weil sie eben nicht wissen das Nazis Nazis sind.

    Von unabsichtlicher Verwechslung kann allerdings nicht die Rede sein. das hat Huisken lang und breit entwickelt. Vielmehr stehen demokratische Bürger in gewissem Sinne in einer Interessenkonkurrenz mit den Nazis. Streitwert ist das richtige Mittel für den von beiden geteilten Zweck: die Nation.

    Das Bündnis hat mit diesem Abend einen glücklichen Griff getan. Vielen Dank dafür!

    Für mehr kritische Theorien in Rostock!

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.