„Von Lichtenhagen in den Landtag“

Andreas Speit warnt vor Wandlungen der rechtsextremen Szene
Eine Pressemitteilung der Initiative „Lichtenhagen begreifen“ vom 11. September 2007

Die rechtsextreme NPD, Kameradschaften und völkische Bünde waren gestern Schwerpunkthemen der Veranstaltungsreihe „Verantwortung denken. Erinnerung schaffen.“ zur Erinnerung an das Pogrom von Rostock-Lichtenhagen im Jahr 1992. Der Hamburger Sozialwissenschaftler und Journalist, Andreas Speit, warnte davor einfach über die Modernisierung der einst reaktionären Altherrenpartei NPD hinwegzusehen.

Während die NPD 1992 politisch ein Rand-Dasein fristete, hätten sie es nach der Einschätzung von Andreas Speit, durch eine „strategische Umorientierung und programmatische Neuausrichtung“ geschafft, in der Mitte Fuß zu fassen. Neben verbindlichen Wahlabsprachen und der Zusammenarbeit zwischen NPD und Kameradschaften, sieht Speit den Erfolg der NPD vor allem im Ausbau der kommunalen Verankerung begründet. „Vor Ort Themen aufgreifen und sich vor Ort um die Leute kümmern,“ sei laut Speit die offizielle Devise der rechtsextremen Partei beim Kampf um die Gunst der Wählerstimmen. „Die Janusköpfigkeit der NPD“, die vor Gewalt zur Durchsetzung politischer Ziele nicht zurückschreckt, sei durch Einschüchterungen politischer Gegner im Wahlkampf deutlich geworden.
Michael Andrejewski ist nach Ansicht von Speit ein Paradebeispiel dafür, wie es Neonazis “von Lichtenhagen in den Landtag” geschafft haben. 1992 verteilte Andrejewski in den Neubaugebieten um Rostock-Lichtenhagen Flugblätter, die zum „Widerstand gegen die Ausländerflut“ aufriefen. Heute ist er Abgeordneter der NPD im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern.

Mit Vorträgen und Diskussionsrunden erinnert die Initiative „Lichtenhagen begreifen“ noch bis zum 4. Oktober 2007 mit einer Veranstaltungsreihe an das Pogrom von 1992. Die Ausschreitungen standen in unmittelbarem Zusammenhang mit der Debatte um die Begrenzung des Asylrechts in Deutschland. Jene Maßnahmen, die immer zu Lasten von Asylsuchenden gingen und ihren Höhepunkt in der faktischen Abschaffung des Grundrechts auf Asyl – als Folge des Pogroms – fanden, werden am kommenden Mittwoch, dem 19. September, thematisiert. Die Veranstaltung „Vom Recht auf Asyl zum Abwehrkampf gegen Flüchtlinge“ mit Dipl.-Sozialökonomin und No-Lager-Aktivistin Gisela Reher, beleuchtet die fortgeschrittenen Maßnahmen zur Abwehr von nicht-gesteuerter Migration und beginnt um 19 Uhr im Haus Böll (Mühlenstraße 9).

An der Auseinandersetzung mit der bisherigen Aufarbeitung des Pogroms und seinen politischen Auswirkungen, beteiligt sich unter anderem auch die deutsch-französische Journalistin Beate Klarsfeld, die seit Jahrzehnten für die Aufklärung und Verfolgung von Naziverbrechen kämpft. Zum Abschluss der Veranstaltungsreihe wird mit einer Podiumsdiskussion, bei der Betroffene, Entscheidungsträger und Beobachter zu Wort kommen, ein Blick auf den öffentlichen Umgang mit den Ereignissen von 1992 geworfen und hinterfragt, welche Bedeutung die Erinnerung an Lichtenhagen heute hat.

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„Verantwortung denken. Erinnerung schaffen.'‘
Flyer zur Veranstaltungsreihe

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