Archiv für November 2007

„Im Zerrspiegel der Geschichte“

Eine Veranstaltungsankündigung der Initiative Ilja Ehrenburg*

„Im Zerrspiegel der Geschichte. Deutsche Bilder von Ilja Ehrenburg.“
mit Eveline Passet, Übersetzerin und Rundfunkautorin, Berlin.
Studierende der HMT lesen Gedichte von Ilja Ehrenburg.
Dienstag, 20. November, um 20.00 Uhr
Kleinkunstbühne des „Ursprung“, Alter Markt 16.
(Achtung: Veranstaltungsort wurde verlegt und findet nicht – wie zuvor angekündigt – in der HMT statt)
Eintritt frei, Spende erbeten

„Der Deutschen ideale Feindfigur“ hat Eveline Passet Ilja Ehrenburg in mehreren Veröffentlichungen genannt. Seine kosmopolitische Lebensweise, seine Bildung, seine schriftstellerische Klasse, seine souveräne Haltung auf dem internationalen Parkett, sein rückhaltloses Engagement gegen den Faschismus, sein Judentum sind Elemente, aus deren willkürlicher Kombination immer wieder ahistorische, aber politisch umso besser nutzbare Bilder von Ehrenburg erschaffen worden sind. Bezeichnend dafür ist die Editionsgeschichte der deutschen Übersetzungen von „Menschen – Jahre – Leben“, Ehrenburgs Memoiren, einem Kompendium seiner Zeit in drei Bänden: In der BRD der sechziger Jahre war die Herausgabe des Buches durch den renommierten Kindler Verlag von üblen Ausfällen und einer beschämenden Pressekampagne begleitet, in der DDR gelang ihre Veröffentlichung nur im Rahmen der mehrbändigen Werkausgabe
des Verlags Volk und Welt. Das Zerrbild vom “Deutschenhasser” Ehrenburg widerlegen auch seine Gedichte, die an diesem Abend gelesen werden.

Über die Referentin und die Lesenden :
Eveline Passet ist literarische Übersetzerin (Russisch, Französisch) und Rundfunkautorin (künstlerische und Literaturfeatures). In ihrer Übersetzung erschien 1996 im Aufbau Verlag die Ehrenburg-Biographie von Lilly Marcou. 1997 erarbeitete sie zusammen mit Raimund Petschner die Ausstellung „Ilja Ehrenburg und die Deutschen“ für das Deutsch-Russische Museum in Berlin-Karlshorst. Mehrfach hat sie sich speziell mit der Rezeption von Ehrenburgs Kriegspropaganda im Nachkriegsdeutschland (West) auseinandergesetzt.
Die Gedichte von Ilja Ehrenburg lesen Studierende der Hochschule für Musik und Theater Rostock.

Vor Beginn der Veranstaltung erfolgt eine Einführung in die Veranstaltungsreihe, im Anschluss laden wir zur Diskussion ein.

*Die Initiative Ilja Ehrenburg arbeitet für die Erhaltung des Namens der Ilja-Ehrenburg-Straße in Rostock-Toitenwinkel. Sie informiert über Leben und Werk des sowjetischen Schriftstellers und Publizisten und fördert das Gedenken an seine Person.
Mitglieder der Initiative Ilja Ehrenburg: Antifaschistische Gruppe A3, LI*MO, DIE LINKE. Kreisverband Rostock, VVN-BdA Basisorganisation Rostock, Rostocker Friedensbündnis und Einzelpersonen.

***

„Im Zerrspiegel der Geschichte. Deutsche Bilder von Ilja Ehrenburg.“
Veranstaltungsflyer der Initiative Ilja Ehrenburg.

Ilja-Ehrenburg-Straße muss ihren Namen behalten!
Offener Brief an die Hansestadt Rostock und eine Unterschriftenliste zum Erhalt der Ilja-Ehrenburg-Straße.

Gedenke – Vergiss nie!

Erst 43 Jahre nach Ende der NS-Diktatur wurde am ehemaligen Eingang der Jüdischen Synagoge zu Rostock eine Stele errichtet, die an die antisemitischen Ausschreitungen von 1938 und das Schicksal der Rostocker Jüdinnen und Juden erinnert.
Auf der die Inschrift ist zu lesen:
„Hier befand sich der Eingang der am 14. September 1902 geweihten Jüdischen Synagoge zu Rostock. Diese wurde in der Pogromnacht von Faschisten niedergebrannt. 11. November 1988.“

Im Gedenken an die Opfer der deutschen Barbarei
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde die systematische Entrechtung und Verfolgung von Rostocker Jüdinnen und Juden bereits seit dem 30. März 1933, durch den Auftakt zum so genannten „Judenboykott“, vorangetrieben. Durchgesetzt wurde der Boykott von Geschäften und Warenhäusern, sowie Arzt- und Rechtsanwaltspraxen mittels scharfer Reglementierungen, brutaler Gewalt und Einschüchterungen von Truppen der SA und SS. 1938 erreichte die Judenverfolgung in der Hansestadt Rostock eine neue Dimension. Am 28. Oktober 1938 wurden insgesamt 37 jüdische Einwohner verhaftet und nach Polen deportiert. In der Nacht vom 9. zum 10. November wurden in ganz Deutschland Synagogen und jüdische Gebetshäuser angezündet, mehr als 5.000 jüdische Geschäfte geplündert und zerstört, sowie unzählige Jüdinnen und Juden verhaftet, deportiert und ermordet. Auch in Rostock begannen die Nationalsozialisten in den frühen Morgenstunden der „Reichspogromnacht“ – an über 60 Orten der Stadt – ihr Werk der Zerstörung an jüdischen Wohnungen und Geschäften und brannten zeitgleich die Synagoge in der Augustenstraße nieder, die 36 Jahre lang Zentrum des religiösen und sozio-kulturellen Lebens der etwa 330 Rostocker Jüdinnen und Juden, sowie zunehmend auch Fluchtstätte vor faschistischen Ausschreitungen war. 64 Juden wurden in der Pogromnacht in das Landeszuchthaus Alt-Strelitz verschleppt, wo sie unter schweren Haftbedingungen Zwangsarbeit verrichten mussten. Unter dem Druck der Stadt, musste die Jüdische Gemeinde die ausgebrannten Überreste des am 14. September 1902 geweihten und mit 350 Plätzen größten Synagogenbaus von Mecklenburg verkaufen. Durch ein britisches Bombardement im April 1942, welches auf die Zerstörung von städtischer Infrastruktur und Rüstungsstandorten wie den Arado- und Heinkel-Flugzeugwerken abzielte, wurden auch die Grundmauern der Synagoge unwiderbringlich zerstört. Mit den Erträgen aus dem Zwangsverkauf des Synagogengrundstücks verhalf die Jüdische Gemeinde den verfolgten Rostocker Jüdinnen und Juden zur Emigration. Die verbliebenen jüdischen Einwohner wurden von den Nationalsozialisten in die Vernichtungslager Auschwitz und Theresienstadt deportiert und ermordet – nur 14 überlebten die Shoa in Rostock.

Die Opfer dieser singulären Verfolgungs- und Vernichtungsmaschinerie dürfen nicht vergessen werden!
Ihr Leid ist unsere Verpflichtung im Kampf gegen Faschismus und Antisemitismus.

***

Gedenke – Vergiss nie! Gedenkstätten für die Opfer des NS in Rostock.
Eine Broschüre über Rostocker Gedenkstätten von Soziale Bildung e.V.

הזכרה
Die Antifa Offensive Neubrandenburg erinnert zum 9. November auf ihrem Blog an die Vertreibung und Vernichtung der Jüdischen Gemeinde von Neubrandenburg

„Das Schwarzbuch“ – Wirkung und Entstehung

Eine Veranstaltungsankündigung der Initiative Ilja Ehrenburg*

Am Freitag, dem 9.11. – Tag des Gedenkens an die Pogrome im faschistischen Deutschland 1938 – werden Dr. Ruth und Prof. Dr. Heinz Deutschland über die Entstehung und Wirkung von Ilja Ehrenburgs: „Das Schwarzbuch. Der Genozid an den sowjetischen Juden“ referieren. Auszüge aus dem „Schwarzbuch“ liest Manfred Keiper.
Der Abend mit Vortrag, Lesung und anschließender Diskussion beginnt um 20 Uhr in der „anderen buchhandlung“ (Wismarsche Str. 6/7).

Ilja Ehrenburg: „Das Schwarzbuch. Der Genozid an den sowjetischen Juden“
Während des faschistischen Aggressionskrieges gegen die Sowjetunion 1941-1945 schickten sowjetische Frontkämpfer Dokumente und Briefe über ihre Erlebnisse an den vielgelesenen Kriegspublizisten Ilja Ehrenburg. Schon bald sammelten auf seine Anregung hin etwa vierzig Schriftsteller Berichte über den Genozid, den die faschistischen Aggressoren an der jüdischen Bevölkerung der besetzten sowjetischen Gebiete verübten. Die Texte schilderten Massaker wie das von Babi Jar, die Zustände in den Vernichtungslagern und viele einzelne Verbrechen an sowjetischen Juden. Ilja Ehrenburg fungierte zusammen mit seinem Kollegen Wassili Grossman als Herausgeber der Sammlung. In seinen Memoiren schrieb er: „Die Arbeit am ‚Schwarzbuch’ kostete mich nicht wenig Zeit, Kraft und Nerven. Zuweilen, wenn ich ein mir übersandtes Tagebuch las oder dem Bericht eines Augenzeugen lauschte, war mir, als sei ich selber im Ghetto, als fände gerade eine ‚Aktion’ statt und man jagte mich in eine Schlucht oder einen Graben.“
Die anfangs staatlich geförderte Publikation kam jedoch nicht zustande: 1948 wurde der Druck des „Schwarzbuches“ gestoppt und das Manuskript beschlagnahmt. Die erste russischsprachige Ausgabe erschien 1980 in Jerusalem. Die deutschsprachige Ausgabe bei Rowohlt 1994 ist die erste vollständige.

Über die Referenten und den Lesenden:
Dr. Ruth und Prof. Dr. Heinz Deutschland sind Historiker. Sie haben neben eigenen Veröffentlichungen Werke zur Geschichte der Sowjetunion und einzelnen ihrer politischen Persönlichkeiten übersetzt und herausgegeben. Ihre neueste Arbeit ist die Edition des Briefwechsels zwischen Käte und Hermann Duncker. In diesem Zusammenhang erinnern sie am 27.11. auf Einladung der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Rostock an die Berufung von Hermann Duncker zum Dekan an der Universität Rostock 1947. Manfred Keiper ist Inhaber der „anderen buchhandlung“.

Vor Beginn der Lesung erfolgt eine Einführung in die Veranstaltungsreihe, im Anschluss laden wir zur Diskussion ein.

*Die Initiative Ilja Ehrenburg arbeitet für die Erhaltung des Namens der Ilja-Ehrenburg-Straße in Rostock-Toitenwinkel. Sie informiert über Leben und Werk des sowjetischen Schriftstellers und Publizisten und fördert das Gedenken an seine Person.
Mitglieder der Initiative Ilja Ehrenburg: Antifaschistische Gruppe A3, LI*MO, DIE LINKE. Kreisverband Rostock, VVN-BdA Basisorganisation Rostock, Rostocker Friedensbündnis und Einzelpersonen.

***

„Das Schwarzbuch“ – Wirkung und Entstehung
Veranstaltungsflyer der Initiative „Ilja Ehrenburg“.

Ilja-Ehrenburg-Straße muss ihren Namen behalten!
Offener Brief an die Hansestadt Rostock und eine Unterschriftenliste zum Erhalt der Ilja-Ehrenburg-Straße.