Gefängnis im Iran oder die Chance auf ein Leben in Deutschland

Jugendlicher Iraner aus Bad Doberan von Abschiebung, Haft und Hinrichtung bedroht
Eine Pressemitteilung der AG Integration vom 14. März 2008

In Boizenburg wird am kommenden Dienstag über das Schicksal von Hamid Reza Shabanian verhandelt. Vor zwei Jahren ist der iranische Jugendliche nach Deutschland geflohen. Nun erwartet ihn mit der Möglichkeit der Abschiebung in die Diktatur der Mullahs das Gefängnis oder sogar die Hinrichtung.

Wenige Monate nach Hamids Geburt wurde sein Vater als Gegner des Regimes hingerichtet. Hamid wuchs in dem Glauben auf, dass sein Onkel sein Vater sei. Erst im Alter von 12 erfuhr er von dem Tod seines leiblichen Vaters. Als Jugendlicher begann Hamid, politisch aktiv zu werden, und verteilte kritische Flugblätter; die Polizei verhaftete ihn jedoch und er wurde zu 80 Peitschenhieben und drei Jahren Gefängnis verurteilt. Als Hamid nach zehn Monaten gegen 5.000 Euro Kaution freikam, die seine Mutter organisieren konnte, nutzte er die Chance zur Flucht vor weiterer Verfolgung. Mit der Hilfe von Schleppern gelangte der damals 16-Jährige über die Türkei nach Deutschland.

Nachdem Hamid sich in Hamburg bei der Polizei gemeldet hatte, wurde er in das Asylbewerberheim in Horst, später nach Bad Doberan verlegt. Den Berichten des Jugendlichen von der Verfolgung und Folter im Iran glaubten die Behörden zwar nicht, doch da er noch minderjährig war, konnte er vorläufig nicht abgeschoben werden. Zum Ende letzten Jahres, nun volljährig, erhielt Hamid jedoch die Vorladung für die am kommenden Dienstag stattfindende Verhandlung über sein Aufenthaltsrecht in der Bundesrepublik Deutschland.

Obwohl es ihm durch den Status als Asylbewerber schwer gemacht wird, versucht sich der Jugendliche aus dem Iran in den Alltag in Deutschland zu integrieren. Seit mehreren Monaten besucht Hamid die Schule in Bad Doberan und bringt sich erfolgreich Deutsch und Englisch bei, damit er später mal das Abitur machen kann. Bis vor kurzem hat er noch bei einem Rostocker Verein Fußball gespielt. Das Training musste Hamid jedoch abbrechen, weil er sich die Fahrtkosten nicht mehr leisten konnte; von 197 Euro im Monat muss er Verpflegung, Schulsachen, Fahrtkosten und auch seinen Anwalt bezahlen.

Die Verhandlung am 15. April entscheidet über die Zukunft von Hamid Reza Shabanian. „Wenn ich nach Hause fahre, werde ich verhaftet oder hingerichtet“, erzählt er. „Ich möchte gerne Medizin studieren, und wenn eines Tages bei uns Demokratie kommt, dann werde ich freiwillig nach Hause fahren.“ Der Alltag von Asylbewerbern in Deutschland ist zwar von bürokratischen Einschränkungen geprägt, die eine Integration erschweren sollen. Zumindest jedoch geben sie einem Jugendlichen wie Hamid Chance und Aussicht auf eine Zukunft in Freiheit, während ihn in der Heimat nur Verfolgung und Tod erwarten.

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