„Wegsehen statt Handeln?“

Redebeitrag der Antifa A3 Rostock zur Demonstration gegen Rechts am 24. Mai 2008 in Güstrow.

Wie in vielen Gemeinden und Städten gibt es auch in Güstrow keine öffentliche Auseinandersetzungen mit örtlichen Nazis. So spricht Michael Flenker vom Schweriner Verfassungsschutz davon, dass es keine gefestigten rechten Strukturen in und um Güstrow gebe. Der Bürgermeister der Stadt, Arne Schuldt, geht sogar noch einen Schritt weiter: Er sieht in seiner Stadt mehrheitlich linksgerichtete Jugendliche.

Tatsächlich stellt sich die Realität jedoch ganz anders dar. Eine Chronik rechter Übergriffe zeichnet einen Alltag voller Bedrohungen, körperlicher Gewalt und Angst. Nicht nur diese Erfahrungen der Jugendlichen zeigen deutlich, dass es in der Stadt sehr wohl eine aktive, organisierte und gewalttätige Naziszene gibt.

So beteiligten sich im April 2007 unter anderem Güstrower Nazis an einem Angriff auf eine antifaschistische Demonstration in Wismar. Hierbei beschossen mehrere Rechte Teilnehmer_innen der Demonstration mit Glaskugeln.

Am 30. Juni 2007 griffen etwa sechzig Nazis in Pölchow einen Zug an, in dem sich alternative Jugendliche auf dem Weg nach Rostock befanden. Die Angreifer zerschlugen die Scheiben des Zuges und verletzten mehrere Zugfahrer_innen erheblich. Auch an diesem Überfall waren wiederum dutzende Güstrower Nazis aktiv beteiligt.

Anlässlich einer antifaschistischen Demonstration in Güstrow mobilisierte im Juli letzten Jahres die lokale Naziszene kurzfristig vierzig Personen. Ohne aktives Eingreifen der Polizei konnten sie einige Zeit die Demonstration blockieren.

Die Randale von Bützow reihen sich in diese Chronik ein. Eine bis zu dreißigköpfige Gruppe zog plündernd über das Stadtfest, bewarf eintreffende Polizisten mit Flaschen, griff einen türkischen Händler an und attackierte den Imbissladen einer pakistanischen Familie. Nach schleppenden Ermittlungen der Polizei wurden sechs Täter ermittelt. Alle gehören eindeutig zur rechtsextremen Szene, die Hälfte kommt aus Güstrow – unter ihnen auch die stadtbekannte Szenegröße Michael Wolff.

Mit drei Nazibands ist die Stadt Güstrow ein Schwerpunkt der Rechtsrockszene in Mecklenburg-Vorpommern. Seit Anfang 2007 tritt die Band „Painful Awakening“ in Erscheinung und spielte beispielsweise bei einem Rechtsrock-Konzert in Lübben (Brandenburg), bei dem sich Neonazis schwere Ausschreitungen mit der Polizei lieferten. Internationale Bedeutung gewann „Painful Awakening“ durch einen Auftritt beim diesjährigen „Day of Honour“ in Ungarn, eines Festival zu Ehren der Waffen-SS, das von dem in Deutschland verbotenen „Blood&Honour“-Netzwerk organisiert wird. Einen Monat später spielten sie auf einer Rechtsrockveranstaltung in Spanien.

All dies zeigt deutlich, dass in Güstrow von einer aktiven und organisierten Naziszene gesprochen werden kann und muss! Eine Maginalsierung und Verleugnung des Nazi-Problems hätte die ungehinderte Ausbreitung und Festigung von Neonazi-Strukturen zur Folge.

So kann es nicht sein, dass zwei stadtbekannte Nazischläger, in dem hauptsächlich von nicht-rechten Jugendlichen besuchten Treffpunkt „Phönix“ Sozialstunden ableisten. Es ist niemals akzeptabel, dass Nazis Andersdenkende bedrohen, einschüchtern und angreifen, dass alternative Freiräume weiter eingeschränkt werden. Wir fordern die Güstrower Zivilgesellschaft und die Stadtvertreter_innen auf, aktiv und offensiv gegen Nazistrukturen vorzugehen. Deshalb: „Handeln statt Wegsehen!“

Gegen Nazis, für alternative Freiräume, in Güstrow und überall!

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„Polizisten stürmen Neonazi-Klub in Lübben“
Artikel der Lausitzer Rundschau zu den Ausschreitungen in Lübben

„Wider die rechte Normalität“
Demobericht und Fotos auf links-lang.de

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