Archiv für November 2008

Neonazi-Konzert in Rostock verhindert

„Somit machten wir uns schlecht gelaunt auf den Heimweg“, schließt eine Rechtsextremistin ihren Bericht über das Neonazi-Konzert am 15. November 2008 in Rostock. Gutes gab es nicht zu erleben: Mehrere Hundert Neonazis waren umsonst nach Rostock gereist; eine Spontandemo wurde von der Polizei aufgelöst; und Stress mit der Antifa folgte am Ende auch noch.

Dabei hätte alles so gut werden sollen: Mit den Gruppen „Sturmwehr“ (Nordrhein-Westfalen), „Die Liebenfels Kapelle“ (Ostvorpommern), „Das letzte Aufgebot“ und „Kahlschlag“ (Berlin) waren berühmt-berüchtigte Szene-Bands angekündigt, die Balladen über das Marschieren im Gleichschritt oder Hymnen über das Totschlagen politischer Gegner im Repertoire haben. Die von der Polizei geschätzten 400 anreisenden Neonazis hätten den Organisator_innen außerdem einen nicht unwesentlichen Gewinn erwirtschaftet.

Nach dem Debakel in Mallentin jedoch, wo die Polizei Anfang November das bislang größte Rechtsrock-Konzert in Mecklenburg-Vorpommern mit dem Landser-Sänger Michael Regener untätig beobachtete, standen die Chancen auf ein weiteres ungestörtes Event schlecht. Zudem war der mehrfach vorbestrafte 26jährige Veranstalter und Hobby-Liedermacher Martin Krause (siehe Foto) für seine umtriebigen und gewalttätigen Aktivitäten im hiesigen Neonaziladen „Dickkoepp“ oder auf rechten Aufmärschen bekannt. Unter der Kontakt-Email-Adresse wurde bereits im Mai ein Rechtsrock--Konzert mit „Kategorie C“ in Sanitz veranstaltet. Und nachdem im August im Rostocker Stadtteil Gehlsdorf bei einem Rechtsrock-Konzert Polizeibeamte angegriffen und verletzt worden waren, war im Korps wohl sowieso noch eine Rechnung offen…

Insofern war bereits ein Großaufgebot der Polizei aktiviert, als die ersten Konzertbesucher_innen in der Stadt eintrafen. Im Zusammenspiel von Stadtverwaltung und Polizei wurde das Konzert in einer Lagerhalle untersagt; auch das Ausweichen vor das Gebäude oder eine Verkaufsveranstaltung wurden verboten, letztendlich sogar die Musikanlage beschlagnahmt. Da half auch nicht, dass sich die Verantwortlichen der Gewerbehalle der Rostockpark GmbH für das Konzert ausgesprochen haben sollen. Ähnlich wenig erfolgreich verlief eine spontane Demonstration von etwa 40 Neonazis in der Doberaner Straße, die mit der polizeilichen Auflösung und Ingewahrsamnahmen endete. Wer nicht verhaftet wurde, wird in einem einschlägigen Forum beklagt, bekam von Antifas eine Begleitung aus dem Stadtteil heraus.

Die schlechte Laune, die den Neonazis an diesem Wochenende beschert wurde, ist allerdings die absolute Ausnahme. In der Regel enden die fast wöchentlichen Rechtsrock-Konzerte und -Partys in Mecklenburg-Vorpommern ohne Ärger mit der Polizei. Die Ereignisse in Rostock zeigen jedoch, dass es Polizei und Ordnungsämtern gelingen kann, diese Szene-Events zu verhindern – es muss nur der Wille vorhanden sein.