Geschichtsrevisionisten wollen in Bentwisch die „Fremdverwaltung“ Deutschlands abschütteln

Eine Pressemitteilung der Antifa A3 Rostock vom 15.01.2009

An diesem Sonnabend, den 17. Januar, findet im Hotel „An der Hasenheide“ in Bentwisch eine Veranstaltung der selbsternannten „Bürger des deutschen Reiches“ statt. Unter dem Titel „Deutschland unter Fremdveraltung“ stellen sie die rechtliche Legitimation der jetzigen Grenzen der Bundesrepublik Deutschland in Frage und versuchen neue Anhänger_innen für ihre revisionistische Ideologie zu gewinnen.

Als Ansprechpartner fungiert der Rostocker Peter Gädt und als Referent der aus Niedersteinbach kommende Erhardt Lorenz. Beide stammen aus dem Umfeld der so genannten „Reichsdeutschen“. Erhard Lorenz ist schon seit mehreren Jahren Mitglied der „Kommissarischen Regierung des Deutschen Reiches“ (KRR) und darüber hinaus Inhaber des „Kahltal-Verlag“, der unter anderem die „Deutsche Reichszeitung“ heraus gibt. Die „Deutsche Reichzeitung“ wie die „KRR“ ist eine Mischung aus Revisionismus, Antisemitismus, Esoterik und Verschwörungstheorien. Die selbst ernannten „Reichsbürger“, die sich in diversen konkurrierenden „Regierungen“ zusammenfinden, leugnen die Existenz der Bundesrepublik Deutschland als demokratisch verfasster Rechtsstaat und behaupten: „Das Deutsche Reich ist nicht untergegangen!“ In ihren Augen ist die Bundesrepublik völker- und verfassungsrechtlich illegal und stehe unter „Fremdverwaltung“ der alliierten Siegermächte des Zweiten Weltkrieges. Neben ihren selbst ausgestellten „Reichsbürgerpässen“, „Reichsführerscheinen“ und anderen „offiziellen“ Reichsdokumenten, welche gegen Gebühr erworben werden können, haben sie sich auch eine des Öfteren tagende „Reichsregierung“ mit diversen „Ministerien“ zugelegt. Ihre Mitglieder bedrohen regelmäßig Personen des öffentlichen Lebens mit Schreiben, in welchen ihnen vorgeworfen wird, sich „als Kollaborateure der Feindmächte eines schweren Kriegsverbrechens gegen das Deutsche Volk schuldig gemacht“ zu haben. Sie verschicken Haftbefehle an Feinde des „Reiches“ und drohen mit der Todesstrafe.

Was man als absoluten Irrsinn ausmachen möchte, steht jedoch auch ähnlich im Parteiprogramm der NPD. Mit dem üblichen Vokabular der „Reichsdeutschen“ wird auch hier „Deutschland in seinen geschichtlich gewachsenen Grenzen“ gefordert. So heißt es von der NPD: „Die Wiederherstellung Deutschlands ist mit der Vereinigung der Besatzungskonstruktionen BRD und DDR nicht erreicht. Deutschland ist größer als die Bundesrepublik!“ Von daher ist es nicht verwunderlich, dass es personelle Überschneidungen zwischen der ultra-rechten NPD und den Reichsdeutschen gibt.

Zugleich versuchen sich die „Reichsdeutschen“ seit einigen Jahren an einer weniger auffälligen Strategie. Weg von dem Begriff „Reichsregierungen“ treffen sie sich an „runden Tischen“ oder finden sich unter dem Label „Interim Partei Deutschland“ zusammen. Ehemalige oder noch aktive Mitglieder der diversen „Reichsregierungen“ versuchen auf diesem Weg offensichtlich, den Ruf als Verrückte und Rechtsextreme zu umgehen. Unter neuen Namen wollen sie neue Zielgruppen ansprechen, die Inhalte bleiben jedoch die gleichen.

Erst kürzlich wurde dem Bürgermeister von Warin auf der rechtsradikalen Internetseite „Altermedia“ aus dem Umfeld der „Reichsdeutschen“ mit Mord gedroht, nachdem er die Aktivitäten der „Interim Partei Deutschland“ öffentlich gemacht hatte. Offensichtlich durchkreuzte der Bürgermeister die Pläne der Partei, eine Immobile in der Gemeinde zu erwerben, indem die Stadtvertretung den Grundbucheintrag nicht vornahm. Der Wariner Bürgermeister musste Polizeischutz erhalten.

Vor zwei Jahren etwa tagten die „Reichsbürger“ in Anklam. Dort schwadronierte man ähnlich wie auf der Internetpräsenz von einem Großdeutschland und leugnete offen den Holocaust. Solche antisemitische und geschichtsrevisionistische Propaganda ist in Bentwisch ebenfalls zu erwarten.

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1 Antwort auf “Geschichtsrevisionisten wollen in Bentwisch die „Fremdverwaltung“ Deutschlands abschütteln”


  1. 1 Hotel An der Hasenheide 16. Januar 2009 um 12:42 Uhr

    Guten Tag!
    Wir sind das „Hotel an der Hasenheide“ in Bentwisch. LEIDER erfuhren
    wir erst heute von dem politischen Hintergrund dieser als einfache Tagung getarnten Veranstaltung. Wir möchten uns hiermit entschieden von diesen Personen und ihrer Politik distanzieren. Der Veranstalter wurde heute sofort informiert und darüber in Kenntnis gesetzt daß er in unserem Haus nicht mehr erwünscht ist!!!
    Diese Veranstaltung wurde von uns storniert!!

    Mit freundlichen
    Hotel An der Hasenheide

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