Archiv für März 2009

Neonazi-Party im Jugendclub

Eine Pressemitteilung der Antifa A3 Rostock vom 05. März 2009

In der letzten Zeit sind in Rostock zunehmend Neonazis in sozialen Einrichtungen und Jugendclubs präsent. Oftmals zeigen sich Sozialarbeiter_innen überrascht, stehen dem Problem ratlos gegenüber oder ignorieren sogar rechte Feiern.

So kam es am vergangenen Sonnabend, dem 28. Februar, im Schmarler Jugendclub „Schiene“ zu einer Nazi-Party. Getarnt als Familienfeier tanzten die Anwesenden in Faschingskostümen zu Rechtsrock und grölten rechte Parolen. Anmelder der Festivität war ein bekannter Rechter aus dem Stadtteil Schmarl, der dem Neonazi-Laden Dickkoepp in der Doberaner Straße zuzuordnen ist. Anwesend waren Rechte aus dem Umfeld des Kameradschaftsspektrums wie auch der NPD. Unter ihnen befand sich etwa das NPD-Landesvorstandsmitglied und Landtagsmitarbeiter David Petereit, das als einer der führenden Köpfe der Neonazi-Szene in Mecklenburg-Vorpommern gilt.

Dies war jedoch nicht die erste Party in dem Club, der unter der Trägerschaft des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) steht: Bei einer letzten Veranstaltung, für die sich schon einmal der in dem Nazi-Laden als Verkäufer arbeitende Rechte verantwortlich zeichnete, blieben einschlägige Aufkleber wie auch Musik-CD’s mit rechtsradikalen Texten zurück. Dies schien die den Jugendclub betreuenden Sozialarbeiter_innen jedoch keineswegs zum Handeln anzuregen und eine erneute Party nicht zuzulassen.

Versuche aus der rechten Szene, öffentliche Räume zu besetzen, sind dabei in Rostock nicht auf den Jugendclub in Schmarl beschränkt. Im Stadtteilbegegnungszentrum „Heizhaus“ in der Rostocker Südstadt können rechte Jugendcliquen nicht nur ohne Störungen ein- und ausgehen und widerspruchslos ihren rassistischen Lifestyle pflegen, sondern provozieren und bedrohen sogar die Sozialarbeiter.

Ähnliche Anfänge hat es in Rostock schon einmal gegeben. Vor mehreren Jahren stand der Jugendclub Max im Rostocker Stadtteil Gross Klein im Fokus der Rechten und wurde zum festen Treffpunkt des „Kameradschaftsbunds Mecklenburg“. Wöchentlich trafen sich die Neonazis unter der Aufsicht von Sozialarbeitern, die weder Problembewusstsein noch Berührungsängste entwickelten. Letztendlich wurden die Räumlichkeiten sogar für Rechtsrockkonzerte gebucht – ähnlich wie heute in Schmarl. In anderen Orten Mecklenburg-Vorpommern sind die Rechten schon weiter: Im vorpommerschen Bargischow etwa übergab der Bürgermeister der lokalen Neonazi-Szene den Schlüssel für den örtlichen Jugendclub.

Mit der stillschweigenden oder offenen Unterstützung von Sozialarbeiter_innen oder Lokalpolitiker_innen für die Neonazis helfen sie diesen dabei, in kleinem Rahmen national befreite Zonen zu etablieren. Indem sie Jugendclubs für sich besetzen, etablieren Rechte damit Anlaufstellen für die örtliche Szene, verbreiten ihre Propaganda und rekrutieren neue Anhänger_innen: So werden aus den mit öffentlichen Geldern finanzierten Einrichtungen und unter Aufsicht von eigentlich qualifizierten Jugendsozialarbeiter_innen neue Neonazi-Locations. Aus Ignoranz gegenüber offensichtlichen und aktiven Neonazis oder im Glauben, mit den rechten Jugendlichen arbeiten zu können, werden eindeutige und politische Aktivitäten, Faschingspartys, Rechtsrockevents oder Treffen, geduldet und damit gefördert. Stattdessen sollte es Aufgabe von Sozialarbeiter_innen sein, Neonazis kein Podium für ihre Hetztiraden zu bieten, diesen entschieden entgegenzuwirken und sie aus öffentlichen Einrichtungen rauszuwerfen.