Archiv der Kategorie 'East Coast Corner'

Neonazi-Konzert in Rostock verhindert

„Somit machten wir uns schlecht gelaunt auf den Heimweg“, schließt eine Rechtsextremistin ihren Bericht über das Neonazi-Konzert am 15. November 2008 in Rostock. Gutes gab es nicht zu erleben: Mehrere Hundert Neonazis waren umsonst nach Rostock gereist; eine Spontandemo wurde von der Polizei aufgelöst; und Stress mit der Antifa folgte am Ende auch noch.

Dabei hätte alles so gut werden sollen: Mit den Gruppen „Sturmwehr“ (Nordrhein-Westfalen), „Die Liebenfels Kapelle“ (Ostvorpommern), „Das letzte Aufgebot“ und „Kahlschlag“ (Berlin) waren berühmt-berüchtigte Szene-Bands angekündigt, die Balladen über das Marschieren im Gleichschritt oder Hymnen über das Totschlagen politischer Gegner im Repertoire haben. Die von der Polizei geschätzten 400 anreisenden Neonazis hätten den Organisator_innen außerdem einen nicht unwesentlichen Gewinn erwirtschaftet.

Nach dem Debakel in Mallentin jedoch, wo die Polizei Anfang November das bislang größte Rechtsrock-Konzert in Mecklenburg-Vorpommern mit dem Landser-Sänger Michael Regener untätig beobachtete, standen die Chancen auf ein weiteres ungestörtes Event schlecht. Zudem war der mehrfach vorbestrafte 26jährige Veranstalter und Hobby-Liedermacher Martin Krause (siehe Foto) für seine umtriebigen und gewalttätigen Aktivitäten im hiesigen Neonaziladen „Dickkoepp“ oder auf rechten Aufmärschen bekannt. Unter der Kontakt-Email-Adresse wurde bereits im Mai ein Rechtsrock--Konzert mit „Kategorie C“ in Sanitz veranstaltet. Und nachdem im August im Rostocker Stadtteil Gehlsdorf bei einem Rechtsrock-Konzert Polizeibeamte angegriffen und verletzt worden waren, war im Korps wohl sowieso noch eine Rechnung offen…

Insofern war bereits ein Großaufgebot der Polizei aktiviert, als die ersten Konzertbesucher_innen in der Stadt eintrafen. Im Zusammenspiel von Stadtverwaltung und Polizei wurde das Konzert in einer Lagerhalle untersagt; auch das Ausweichen vor das Gebäude oder eine Verkaufsveranstaltung wurden verboten, letztendlich sogar die Musikanlage beschlagnahmt. Da half auch nicht, dass sich die Verantwortlichen der Gewerbehalle der Rostockpark GmbH für das Konzert ausgesprochen haben sollen. Ähnlich wenig erfolgreich verlief eine spontane Demonstration von etwa 40 Neonazis in der Doberaner Straße, die mit der polizeilichen Auflösung und Ingewahrsamnahmen endete. Wer nicht verhaftet wurde, wird in einem einschlägigen Forum beklagt, bekam von Antifas eine Begleitung aus dem Stadtteil heraus.

Die schlechte Laune, die den Neonazis an diesem Wochenende beschert wurde, ist allerdings die absolute Ausnahme. In der Regel enden die fast wöchentlichen Rechtsrock-Konzerte und -Partys in Mecklenburg-Vorpommern ohne Ärger mit der Polizei. Die Ereignisse in Rostock zeigen jedoch, dass es Polizei und Ordnungsämtern gelingen kann, diese Szene-Events zu verhindern – es muss nur der Wille vorhanden sein.

„Reißt den Laden ein!“

Die Proteste gegen den Neonaziladen „Eeast Coast Corner“ im Rostocker Studentenviertel reißen nicht ab. Unterstützung finden die vielfältigen Aktivitäten nunmehr auch auf musikalischer Ebene.

Mit „Nazis verpisst euch“ liefern „DyStyle“ einen HipHop-Song, der mit der regionalen Neonazi-Szene abrechnet und auch weiterhin antifaschistische Intervention ankündigt: „Wir stürmen euern Laden und verbrennen deutsche Flaggen!“. Ein erster geplanter Live-Auftritt auf der „Hanse Sail“ ist geplatzt, weil den Veranstalter_innen – die zunächst auf eine entschärfte Version des Textes drangen – einzelne Rap-Passagen für das größte norddeutsche Volksfest „zu aggressiv“ waren.

Die Rostocker Ska-Band „Planet ohne F“ lieferte umgehend ein eigenes Statement gegen den „Deutschladen“: „Wir werden eure Läden räumen, und eure Hirne auch!“

Engagement gegen Rechtsextremismus beim Rostocker CSD unerwünscht

Weil Antifaschistische Gruppen zum heutigen Rostocker CSD, neben Themen wie Sexismus und Homophobie, auch über Rechtsextremismus in Rostock informieren wollten und auf ihrem Transparent forderten „Naziläden dichtmachen!“, wurden diese kurzerhand des Veranstaltungsplatzes verwiesen.
Eine Pressemitteilung von Antifaschistischen Gruppen aus Rostock vom 21.07.2007

„Wir machen Familie bunter“ – unter diesem Motto mobilisierten die Veranstalter/innen des „Christopher Street Day’s“ zum nunmehr fünften Rostocker Karneval der Geschlechter. Während ähnliche Demonstrationen gegen die Diskriminierung und Verfolgung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern in weiten Teilen Osteuropas massiven Angriffen der Bevölkerung und staatlichen Repressalien ausgesetzt sind, zeichnen Städte wie Rostock Bilder von einem vermeintlich toleranten und weltoffenen Deutschland.

Weitreichende Kritik ist beim Rostocker Karneval der Geschlechter jedoch offenbar unerwünscht: „Die Veranstalter/innen verkennen offensichtlich die von Neonazis ausgehende Gefahr, welche sich auch gegen Schwule, Lesben und Transgender richtet. Unsere Forderung den Rostocker Naziladen ‚East Coast Corner’ dichtzumachen und Neonazi-Propaganda zu unterbinden passte angeblich nicht ins Konzept der Veranstaltung,“ erklärt Caroline Jürgens von der Antifa A3, stellvertretend für die betroffenen Antifaschist/innen, die ihren Infostand daraufhin wieder abbauen mussten. „Der CSD ist, nicht nur in Rostock, zu einer Kommerz-Veranstaltung verkommen. Politische Forderungen geraten offenbar – durch den Spagat zwischen gewinnorientierter Firmenbeteiligung und allerlei massenkompatibler Musik-, sowie Polit-Prominenz – immer mehr in den Hintergrund.“

“Wir fordern die Veranstalter/innen, als auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Rostocker CSD auf, ein klares Zeichen gegen Rechtsextremismus und neonazistische Gewalt zu setzen. Außerdem sollte davon abgesehen werden, zivilgesellschaftliche Gruppen mit strengen Reglementierungen an ihrem Engagement gegen Rechtsextremismus zu hindern,“ teilt Pressesprecher Lukas Strübl vom Antifa-Bündnis mit.

Tausende Flugblätter gegen Nazi-Läden in MV

In vielen Städten Mecklenburg-Vorpommerns haben Antifaschist/innen heute mit tausenden Flugblättern auf Läden aus und für die Neonazi-Szene hingewiesen. In allen Regionen des Bundeslandes werden von Mitgliedern der Szene inzwischen erfolgreich mit der menschenverachtenden Ideologie der Rechten Geschäfte gemacht.
Eine Pressemitteilung von Antifaschistischen Gruppen aus MV vom 19. Juli 2007

„Wir wollen mit unseren Aktionen die Öffentlichkeit sensibilisieren“, teilt Caroline Jürgens, Pressesprecherin der verschiedenen antifaschistischen Gruppen, mit. „Fast überall im Land gibt es inzwischen Umschlagplätze für die Hasspropaganda der Neonazis. Proteste von Anwohnerinnen und Anwohnern in Wismar und Rostock zeigen jedoch, dass es möglich ist, sich gegen Nazi-Läden zu wehren und sogar ihre Schließung zu erreichen.“

Von den Antifaschist/innen aus verschiedensten Gruppen wurden in Rostock, Wismar, Grevesmühlen, Güstrow, Neubrandenburg, Gnoien, Neubrandenburg, Strasburg, Stralsund und Anklam mehrere tausend Flugblätter verteilt. In allen Städten gibt es rechte Szene-Shops. In Neubrandenburg sollten mögliche Vermieter/innen von Geschäftsräumen gewarnt werden, um eine Neueröffnung eines einschlägen Ladens zu verhindern. Auf den Handzetteln wird auf die Bedeutung der Geschäfte für das rechtsradikale Milieu, die Verquickung mit der NPD im Schweriner Landtag und die rechte Modemarke „Thor Steinar“ hingewiesen. Außerdem wird darüber informiert, wie Anwohner/innen gegen die Neonazi-Läden protestieren können.

Im Internet sind darüber hinaus auf der Internetseite links-lang.de ausführliche Informationen über das Netz von Neonazi-Läden im Land verfügbar.

In Rostock protestieren die Antifaschist/innen gegen den Laden „East Coast Corner“ der Hamburger Neonazis Torben Klebe und Thorsten de Vries. Seit mehreren Wochen kommt es in der Stadt immer wieder zu Aktionen gegen das Geschäft. In Wismar richteten sich die Flugblätter gegen ein Netzwerk von Neonazis, das neben einem Ladengeschäft einen Versandhandel, ein Tattoo-Studio und sogar ein Hausprojekt betreibt. Nahe Grevesmühlen ist in dem Ort Plüschow ein rechter Versandhandel angesiedelt. Ein rechter Szene-Shop in Güstrow ist in der Eisenbahnstraße beheimatet. In der Stadt kommt es seit einiger Zeit zu Protesten gegen Rechts.

In Gnoien hat erst kürzlich ein rechter Szene-Shop in der Friedensstraße eröffnet, der die einschlägige Kleidungsmarke „Thor Steinar“ vertreibt. In Stralsund gibt es mit dem „Sonnenbanner“ und „Headhunter Streatware“ inzwischen sogar zwei Geschäfte für die Szene. In Anklam existiert schon seit mehreren Jahren der Laden „New Dawn“, der eng mit der lokalen Neonazi-Szene verknüpft ist. In Strasburg gibt es seit zwei Jahren den Laden „Youngland“, wo neben rechter Kleidung auch NPD-Propaganda über die Theke geht. In Neubrandenburg informierten Antifaschist/innen potenzielle Vermieter/innen von Geschäftsräumen. Damit soll die Neueröffnung des Ladens „Most Wanted“ an anderer Stelle verhindert werden, nachdem dessen bisheriger Standort in der Pfaffenstraße vor einigen Tagen geschlossen hat.

Weitere Geschäfte von Neonazis gibt es auch in anderen Städten: So betreibt Doris Zutt, Mitglied im Bundesvorstand der NPD, seit Jahren ungestört den rechten Gemischtwarenladen „Zutt’s Patriotentreff“ in Waren-Müritz. In Schwerin hat erst kürzlich der „Thule Store“ mit Verbindungen in die Berliner Neonazi-Szene eröffnet.

„Wo Neonazis ungestört Läden betreiben können, verdienen sie nicht nur prima im wachsenden Markt rechter Kleidung, Musik und Accessoires“, teilt Tobias Albrecht, Pressesprecher der Antifa-Gruppen, mit. „Von diesen Orten aus wird menschenverachtende Propaganda verbreitet. Jeder Normalisierung von Volksgemeinschaftswahn, Herrenmenschentum und Kriegsbegeisterung gilt es jedoch entschieden entgegenzutreten. Nazi-Läden gehören nicht in die Innenstädte Mecklenburg-Vorpommerns, sondern geschlossen!“

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Naziläden dichtmachen!
Feature zum Thema auf links-lang.de

Profite für den „nationalen Sozialismus“
Artikel über Nazi-Läden in MV auf links-lang.de

Neonazi-Konzert nach NPD-Demo in Rostock

Neonazis bereiten momentan in Rostock ein rechtes Szene-Konzert vor. Nach der NPD-Demo am heutigen Tag findet damit in der Stadt die zweite Propagandaveranstaltung von Rechtsextremen statt.
Eine Pressemitteilung der Antifa A3 Rostock vom 07. Juli 2007

Bei der Organisation des Konzertes wurden mehrere bekannte Neonazis aus dem Umfeld des rechten Szene-Shops „East Coast Corner“ gesehen, der seit Wochen über Rostock hinaus für Schlagzeilen sorgt. So war unter anderem David Petereit anwesend, der als Wahlkreismitarbeiter für den NPD-Landtagsabgeordneten Birger Lüssow arbeitet und bei der Ladeneröffnung Antifaschist/innen mit einer Eisenstange bedrohte. Mehrere Dutzend Rechte halten sich bisher im und in der Nähe des Veranstaltungsortes auf.

Die Lagerhalle ist im Rostocker Stadtteil Gehlsdorf bei einer Kleingartenanlage nahe der Pressentinstraße gelegen. Dort fand bereits vor drei Wochen am 16. Juni, nur einen Tag nach der Eröffnung des rechten Ladens, eine Szene-Party statt.

Bei solchen Veranstaltungen werden Nazi-Parolen gegröhlt und gesungen und wird eindeutige Propaganda verbreitet. Der Betreiber des rechten Ladens „East Coast Corner“, Torben Klebe, wie auch der Geschäftsführer Thorsten de Vries stammen aus der Rechtsrock-Szene. In Norddeutschland sind die beiden aus Hamburg kommenden Neonazis seit Jahren für die Veranstaltung von einschlägigen Konzerten und Partys bekannt. Auch Rostocker Rechte sind in das Musikgeschäft eingebunden: Der aus Rostock kommende Neonazi Lars Jacobs, der mit seiner „NMN-Veranstaltungstechnik“ in der Szene arbeitet, war auch heute bei der NPD-Demonstration anwesend.

„Das Konzert nach der heutigen NPD-Demonstration macht deutlich, dass die rechte Szene ihren Einfluss in Rostock ausbauen möchte“, meint Caroline Jürgens, Pressesprecherin der Antifaschistischen Gruppe A3 Rostock. „Es zeigt, dass die Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus weitreichend sein muss und nicht beim Laden in der Kröpeliner Tor-Vorstadt enden darf.“

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Nicht mehr als Pathos im Kampf um die „Frontstadt“
Artikel mit Fotos vom Naziaufmarsch auf links-lang

Nazi-Angriff überschattet Proteste in Rostock

Mehrere Hundert Menschen demonstrierten in Rostock gegen NPD-Demo – Schwerverletzte nach Überfall auf anreisende Gegendemonstranten – NPD-Abgeordnete und -Mitarbeiter dabei
Eine Pressemitteilung der Antifa A3 Rostock vom 01. Juli 2007

Mehr als 600 Menschen protestierten am gestrigen Sonnabend gegen eine Demonstration von knapp 190 Neonazis. Überschattet wurden die Ereignisse in Rostock jedoch von einem brutalen rechten Übergriff in dem Dorf Pölchow bei Rostock. Etwa 40 Neonazis aus einer Gruppe von 100 fielen über anreisende Gegendemonstrant/innen her, schlugen und traten auf sie ein. Mehr als 30 Menschen wurden verletzt, einige davon schwer. Nach Zeugenaussagen sollen sich in der Gruppe der Rechten auch die NPD-Landtagsabgeordneten Udo Pastörs, Stefan Köster und Tino Müller aufgehalten haben. In Rostock wollten die Neonazis ihre Solidarität mit einem rechten Szene-Shop bekunden, gegen den Anwohner/innen seit der Eröffnung vor zwei Wochen protestieren.

Die Gruppe der Rechten fuhr augenscheinlich in der S-Bahn aus Güstrow zur Demo nach Rostock. In dem Ort Schwaan stiegen etwa 70 Antifaschist/innen hinzu, die von einem Musikfestival kamen und an den Protesten gegen Rechts in der Hansestadt teilnehmen wollten. Nur wenige Minuten darauf begannen die Neonazis ihren Angriff, als der Zug in Pölchow Halt machte. Sie drangen aus ihren Abteilen und von draußen zu den Antifaschist/innen vor, schlugen und traten auf sie ein. Scheiben wurden zerschlagen und einzelne Personen auf den Bahnsteig gezerrt, wo mit Zaunlatten auf sie eingeprügelt wurde. Während einige der Opfer fliehen konnten und nur Prellungen sowie Schürf- und Schnittwunden erlitten, mußten andere mit schweren Verletzungen später im Rostocker Krankenhaus behandelt werden. Als nach einer halben Stunde die Polizei eintraf, interessierte man sich wenig für die Aussagen der Angegriffenen und verfrachtete Opfer wie Täter im Zug nach Rostock. Dort wurden von allen die Personalien aufgenommen, doch wenig Anstalten gemacht, die Angreifer festzustellen und zu verhaften. Die verängstigten Opfer wurden stattdessen noch von einigen Polizeibeamten beleidigt. Viele von ihnen reisten daraufhin wieder aus Rostock ab. Als einer der Angreifer ist laut Zeugenaussagen der NPD-Kader Michael G. aufgefallen.

Eine Kundgebung gegen Rechts und vielfältige Proteste fanden derweil in der Rostocker Innenstadt große Resonanz. Mehr als 600 Menschen nahmen an den verschiedensten Aktionen teil, etwa 200 Antifaschist/innen gingen mit einer Spontandemo kurzzeitig auf die Straße. Die Neonazis setzten sich statt der angekündigten 500 mit weniger als 190 Teilnehmer/innen erst am Abend in Bewegung und zogen in einer Runde durch die Stadt. Blockaden hielten den Zug mehrmals, aber nur kurzzeitig auf; auch friedliche Proteste am Rand der Route wurden von den 2000 eingesetzten Polizeibeamten verhindert. Wegen Nichtigkeiten kam es zu Personalienfeststellungen, Gewahrsamnahmen und sogar Wasserwerfereinsätzen.

„Mit ihrem Versuch, die Einwohner Rostocks mit einem Aufmarsch einzuschüchtern, ist der Haufen von weniger als zweihundert Neonazis gescheitert“, erklärt Caroline Jürgens, Pressesprecherin der Antifaschistischen Gruppe A3 Rostock, zum gestrigen Tag. „Auch weiterhin wird es Proteste gegen den Nazi-Laden ‚East Coast Corner‘ geben, bis er endlich dichtmacht. Schockierend ist jedoch die grenzenlose Gewalt, mit der die Rechten abseits der Öffentlichkeit gegen ihre Kritiker und sogar Unbeteiligte vorgehen. Die neuerliche Anwesenheit von NPD-Abgeordneten und -Mitarbeitern bei dem Angriff ist ein Skandal.“

Die Antifaschistische Gruppe A3 erklärt ihre uneingeschränkte Solidarität mit den Opfern der Angriffe und wünscht ihnen gute Besserung. Sie werden gebeten, Gedächtnisprotokolle anzufertigen und sich an die Gruppe zu wenden, um ein weiteres Vorgehen zu planen.

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Radau gegen Rechts
Artikelsammlung zu den Aktivitäten um den Nazi-Laden auf links-lang.de

„Final Countdown in Rostock?“
Feature mit aktuellen Berichten und dem Stand der Mobilisierung bei Indymedia

„East Cost Corner“ dichtmachen!
Flyer gegen den Rostocker Nazi-Laden

Spontane Demo gegen Rostocker Nazi-Laden
Pressemitteilung der Antifa A3 Rostock vom 15. Juni 2007

Neonazis bereiten sich auf Gewalt vor

Lächeln sieht anders aus

Vor NPD-Demonstration am Sonnabend in Rostock Ankündigungen massiver Gewalttaten auf rechten Internetseiten
Eine Pressemitteilung der Antifa A3 Rostock vom 28. Juni 2007

Im Vorfeld einer NPD-Demonstration am kommenden Sonnabend in Rostock kündigen Neonazis im Internet offen und verdeckt weitreichende Gewalttaten an. Die NPD benennt bereits Ziele für ihr gewaltbereites Klientel. Antifaschist/innen warnen Anwohner/innen und Gastwirte der Stadt vor Angriffen durch die Rechten.

Auf populären Nachrichtenseiten der Neonazi-Szene wähnt man sich zurück in den Unruhen der späten Weimarer Republik. „Auch zum damaligen Zeitpunkt war Terror oft nur mit Gegenterror in den Griff zu bekommen.“ Offen ruft man dazu auf, „linkslastige Einrichtungen“ Rostocks am Sonnabend „zum Zielobjekt entsprechender Gegenmaßnahmen“ zu machen. Jedes Geschäft, jede Gaststätte, jede Kneipe, die die Rechten als „links“ deuten, könnte so zum Ziel von Angriffen werden. Die NPD hat in ihrem Aufruf zur Demonstration bereits ein Café in Rostock explizit genannt. Das Publikum, das die Partei erwartet, antwortet mit der Ankündigung, linke Projekte in „Schutt und Asche“ legen zu wollen. Aus dem Umfeld des Neonazi-Ladens um den Betreiber Thorsten de Vries heißt es: „Seit bitte kreative und fahrt nach der Demo nicht gleich nach Hause sondern trinkt Abends in den Studentenkneipen der Rotfrontler noch ein paar Bier oder einen Kaffee.“ Auch der Angriff von Wohnungen vermeintlicher Linker wird in der Szene genannt: „Dann tragen wir den Krieg zu ihnen nach Hause. Da gibt es auch Fensterscheiben.“

Die Neonazis benennen deutlich die Mittel, mit denen sie gegen all jene vorgehen wollen, die sie als ihre Gegner ausmachen: Erhebliche Gewalttaten bis hin zum Mord. „Bewaffnet Euch und erschiesst das Gesindel!“, heißt es etwa in einem Kommentar. In einem anderen wird die Erwartungshaltung der Rechten für den kommenden Sonnabend deutlich: „Ich persönlich hoffe ja auf zünftige Straßenschlachtszenen wie zu Weimarer Zeiten. Wenn Gewaltanwendung unvermeidlich wird, dann aber bitte ohne Rücksicht auf Verluste und so, daß es dem Antifapack noch wochenlang schwere Selbstbewußtseinsstörungen, wenn nicht dauerhafte Schäden verursacht!“ Und auch über die Pläne in den folgenden Wochen spricht man sich aus: „Im Fall Rostock braucht sich die Antifa nicht wundern, wenn es demnächst regelmäßig vor die Birne gibt und einige Leute im größeren Umkreis stink sauer sind.“ Bewußt will man außerdem Auseinandersetzungen provozieren, um dann mit aller Härte gegen Antifaschist/innen vorzugehen.

Diese radikalen Äußerungen aus der rechten Szene rühren aus einer politischen Sicht her, die nur Gut und Böse, Konflikt und Kampf kennt und Politik mit Gewalt verbindet. Die Betreiber des Neonazi-Ladens spiegeln diese Emotionen wider, indem sie Rostock zur „Frontstadt“ erklären, „Keine Kapitulation“ als Maxime ausgeben und schreiben: „Kommt die nästen Monate lieber jedes Wochenende nach Rostock und kämpft.“ Die lokale Auseinandersetzung in Rostock wird verbunden mit jenem Kampf gegen die Demokratie, in dem man sich selber sieht. „Wir sind im Krieg“, heißt es in Internetforen. „In dem Krieg der unmittelbar bevorsteht, wird es keine echten Sieger geben, nur Überlebende.“ Ein anderer Schreiber sieht die Gegner/innen des rechten Ladens in Rostock als Teil einer großen Verschwörung gegen das deutsche Volk und hat die Lösung schon parat: „Ansonsten: bewaffnet Euch und erklärt die Störer wie die politisch Verantwortlichen für vogelfrei. Nicht nur in Rostock- Landes-und bundesweit. Es geht nicht mehr parlamentarisch.“

Bereits in der Vergangenheit war es aus dem Umfeld des Ladens zu Übergriffen auf Passanten durch Neonazis gekommen. Zur Eröffnung bewaffneten sich die Betreiber und Besucher – darunter auch der NPD-Landtagsmitarbeiter David Petereit – mit Eisenstangen und bedrohten Antifaschist/innen.

„Die verbale Androhung von Gewalt im Internet geht einher mit dem Kampf der Neonazis um die Straße“, erklärt dazu Caroline Jürgens, Pressesprecherin der Antifaschistischen Gruppe A3. „Wer den Neonazis um die NPD und die Kameradschaften jedoch die Straße läßt, übergibt ihnen den öffentlichen Raum. Drohungen, Einschüchterungen und Übergriffe sind die Folge. Deshalb gilt es, den Neonazis offensiv, entschieden und vielfältig entgegenzutreten.“

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Radau gegen Rechts
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„Final Countdown in Rostock?“
Feature mit aktuellen Berichten und dem Stand der Mobilisierung bei Indymedia

„East Cost Corner“ dichtmachen!
Flyer gegen den Rostocker Nazi-Laden

Spontane Demo gegen Rostocker Nazi-Laden
Pressemitteilung der Antifa A3 Rostock vom 15. Juni 2007

Radio-Interview zum Rostocker Nazi-Laden „East Coast Corner“

Über den Rostocker Naziladen „East Coast Corner“ und antifaschistische Gegenaktivitäten sprach Tobias von der Antifa A3 im Mittagsmagazin von Radio Corax, dem freien, nicht kommerziellen Lokalradio im Raum Halle.

Spontane Antifa-Demo gegen Rostocker Nazi-Laden

Rostocker Nazi-Laden \"East Coast Corner\"

Neonazis drohen vor dem Rostocker Nazi-Laden „East Coast Corner“ mit Knüppeln gegen unliebsame Proteste, unter ihnen auch NPD-Angestellter David Petereit.
Eine Pressemitteilung der Antifa A3 Rostock vom 15. Juni 2007

Mit einer spontanen Demonstration haben heute in Rostock etwa 60 Antifaschist/innen gegen die Eröffnung eines Neonazi-Ladens protestiert. Als Neonazis die Demonstration aus dem Laden heraus anzugehen versuchten, drohte die Situation kurzzeitig zu eskalieren. Das besonnene Verhalten der Demonstrant/innen verhinderte jedoch Gewalt.

Das Ladengeschäft „East Coast Corner“ wurde heute in der Doberaner Straße 48, Ecke Budapester Straße, eröffnet. Nicht nur die Werbung in einschlägigen Foren oder das Logo, das an Symbolik der Nationalsozialisten anknüpft, macht deutlich, dass es sich um einen Laden von Neonazis für Neonazis handelt. In den Betrieb involviert ist zudem Torben Klebe, Neonazi-Kader aus Hamburg. Seit den frühen Neunzigern ist er in der rechtsradikalen Szene aktiv, war wegen der Verbreitung illegaler Propaganda in Untersuchungshaft und wurde verurteilt und war in der inzwischen verbotenen Organisation „Blood & Honour“ sehr aktiv.

Antifaschist/innen machten mit Flugblättern auf den Laden und die menschenverachtende Ideologie der Neonazis aufmerksam. Sie befürchten in der Eröffnung des Ladens mitten in der Kröpeliner Tor-Vorstadt einen Angriff auf die Offenheit und Toleranz, die dieses Stadtviertel Rostocks bisher auszeichnete. „Wenn sich Rechtsradikale aus dem ganzen Land künftig in und vor dem Laden treffen, verbotene Lieder und Parolen grölen oder jene anpöbeln und angreifen, die nicht in ihr beschränktes Weltbild passen, sind die Sicherheit und das Image aller Nachbarn, Kunden der verschiedenen Läden und Angestellten der Firmen in der Umgebung bedroht“, heißt es in einem verteilten Flyer. „Der Einfluss eines Umschlagplatzes für Rassismus, Nationalismus, Antisemitismus und Gewalt auf das öffentliche Klima in der Stadt wird verheerend sein.“

Die Demonstration begann gegen 16 Uhr und führte durch die Doberaner Straße. Als sie den Laden erreichte, kamen aus ihm Neonazis auf die Demonstranten zu und bewaffneten sich mit Knüppeln. Eine einzelne Flasche flog aus dem Zug, landete zwischen den beiden Gruppen und trennte sie voneinander. Um keine Eskalation aufkommen zu lassen, zogen sich die Antifaschist/innen weiter auf die gegenüberliegende Straßenseite zurück, machten auf ihr Anliegen aufmerksam und beendeten kurz darauf ihre Demonstration. Unter den Neonazis, die die Demonstrant/innen mit Knüppeln bedrohten, war auch David Petereit, der als Wahlkreismitarbeiter für den NPD-Landtagsabgeordneten Birger Lüssow angestellt ist. Ein anderer Neonazi glorifizierte in verschlüsselter Form auf seinem T-Shirt die SS (Schutzstaffel), die für die Massenmorde des Nationalsozialismus verantwortlich ist.

„Die Spontandemonstration schon zur Eröffnung eines Nazi-Ladens zeigt, dass die Propaganda der Neonazis in Rostock nicht ohne Widerspruch bleibt“, schätzt Tobias Albrecht, Pressesprecher der Antifa-Gruppe A3, die Ereignisse ein. „In vielen Städten Mecklenburg-Vorpommerns gehören rechte Szene-Geschäfte leider schon zur Normalität. Wir werden immer wieder auf die Straße gehen, damit das in Rostock nicht passiert. Es gilt, auf unterschiedlichen Wegen aktiv zu werden, damit der Nazi-Laden dichtmachen muss.“

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„East Cost Corner“ dichtmachen!
Flyer gegen den Rostocker Nazi-Laden

„Rechter Szeneladen in Rostock eröffnet – NPD-Wahlkreismitarbeiter mit Eisenstange bewaffnet“
Artikel auf Endstation-Rechts.de

„Spontan-Demo gegen Nazi-Laden in Rostock“
ausführlicher Indymedia-Bericht mit Fotos

„Spontandemo gegen Naziladen in Rostock“
Kurzmeldung auf Indymedia mit Fotos