Archiv der Kategorie 'Geschichtsrevisionismus'

Ilja-Ehrenburg-Straße in Rostock: Zweifelhafte Umbenennungswünsche

Presseerklärung der Initiative Ilja Ehrenburg vom 22. Juli 2010

Seit einigen Tagen betreibt die Junge Union Rostock, die schon in der Vergangenheit im Gefolge einschlägiger neofaschistischer Aktionen mit Flugschriften und Forderungen aufgetreten ist, eine Kampagne zur Umbenennung der Ilja-Ehrenburg-Straße in Rostock. Damit hat sie zwar in der Rostocker Bürgerschaft keinen Anklang gefunden, Pressemitteilungen zufolge aber wohl bei politischen Vertretern der CDU auf Landes- und Bundesebene.

Ilja Ehrenburg (1891-1967) war ein jüdischer sowjetischer Schriftsteller, Dichter und Publizist. Bereits mit seinem ersten Roman erschrieb er sich Weltruhm. Den überwiegenden Teil seines Lebens verbrachte er außerhalb der Sowjetunion, vor allem in Frankreich. Er organisierte internationale Schriftstellerkongresse für die Verteidigung der Kultur gegen den Faschismus, arbeitete im Jüdischen Antifaschistischen Komitee der Sowjetunion, war einer der Herausgeber des >Schwarzbuchs< über die Verbrechen der faschistischen Invasoren an den sowjetischen Juden und in den fünfziger und sechziger Jahren ein führender Kopf der Weltfriedensbewegung, unter anderem Mitautor des Stockholmer Appells gegen die Atomwaffe 1950. In Deutschland ist er landläufig vor allem wegen seiner Kriegspublizistik bekannt. Gerade über sie wird aber mit besonders wenig Sachkunde geschrieben und gesprochen.

Die Protagonisten der aktuellen Umbenennungskampagne legen wenig Ehre ein: Der Name Ilja Ehrenburg wird falsch geschrieben. Titel von Werken Ehrenburgs werden verwechselt. Der bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion von Mecklenburg-Vorpommern, der Ilja Ehrenburg nachsagt, Stalin >fanatisch< verehrt und zu seiner Politik geschwiegen zu haben, weiß nicht, dass Ehrenburg sowohl gegen den Hitler-Stalin-Pakt als auch gegen eine vermutete Deportation der sowjetischen Juden auftrat sowie gegen Übergriffe der Roten Armee auf die deutsche Zivilbevölkerung protestierte und dafür mit Publikationsverbot und der Androhung seiner Liquidation büßen musste. Ein Bundestagsabgeordneter der CDU aus MV, der Ehrenburg vorwirft, zum unterschiedslosen Töten von Deutschen gehetzt zu haben, setzt sich durch unvollständige Textkenntnis dem Verdacht aus, sich aus Quellen zu bedienen, die auch von Faschisten für ihre >Argumentationen< genutzt werden. Alle geben vor, Ehrenburgs Kriegspublizistik zu kennen, obwohl noch keiner seiner Kriegsartikel in deutscher Übersetzung gedruckt vorliegt. Alle sprechen von Beweisen für die Wirkungen der Kriegspublizistik von Ehrenburg und ignorieren ein Gutachten des Instituts für Zeitgeschichte München, das schon vor Jahren nachgewiesen hat, dass der Vorwurf, Ilja Ehrenburg habe zur Vergewaltigung deutscher Frauen aufgerufen, einer faschistischen Propagandalüge entstammt.

Dabei gibt es Gelegenheiten genug, sich über Ilja Ehrenburg zu informieren: Seit 2007 arbeitet in Rostock unsere Initiative. Wir informieren über Leben und Werk Ilja Ehrenburgs und fördern das Gedenken an seine Person. Dazu haben wir 2007-2008 eine Veranstaltungsreihe über Ilja Ehrenburg organisiert, geben Publikationen heraus und konnten 2009 die Ausstellung >Ilja Ehrenburg und die Deutschen<, mit der das Deutsch-Russische Museum Berlin-Karlshorst nach seiner Neukonzipierung wiedereröffnet wurde, nach Rostock holen. In der Zeit der Ausstellung fand eine Podiumsdiskussion mit Kandidaten zur Kommunalwahl 2009 über den Straßennamen statt, auf der sich niemand für eine Umbenennung aussprach. Nach einer Verlängerung wurde die Ausstellung nach Kopenhagen übernommen und durch das dortige Literaturhaus ein hochkarätiges Begleitprogramm organisiert. Wir verfügen über Sprachkompetenz und können über beliebige Texte Ilja Ehrenburgs Auskunft geben.

Ilja Ehrenburg setzte sich sein ganzes Leben lang gegen jede Art der Verfolgung von Juden ein. Die zweite Konstante seines Lebens war sein konsequenter Antifaschismus. Seine Kriegspublizistik fußte auf seinen persönlichen Erfahrungen mit dem Faschismus bereits aus dem Deutschland der zwanziger Jahre, aus dem faschistischen Putsch und seiner ausländischen Unterstützung in Spanien 1936-1939 und aus dem Fall von Paris. Die Angriffe in seinen Kriegsartikeln, die sich von denen der Kriegspublizisten an allen Fronten allenfalls durch ihre höhere literarische Qualität unterschieden, galten den faschistischen Aggressoren und ihrem Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion. Wer darüber nicht spricht, schweigt über die faschistische deutsche Vergangenheit und ebnet einer weiteren Ausbreitung geschichtsrevisionistischen und neofaschistischen Gedankenguts in der Gesellschaft den Weg. Die Initiative Ilja Ehrenburg wird in den nächsten Tagen ihre Unterstützer aus Wissenschaft, Kunst und Politik im In- und Ausland über die Vorgänge in Rostock informieren.

„Ilja Ehrenburg und das Judentum“

Vortrag mit Prof. Dr. Arkady Tsfasman

18.06.2009 | 19 Uhr
Peter Weiss Haus (ehemaliges HDF) – Rostock

Ilja Ehrenburg war Jude. Sein Verhältnis zu Juden und Judentum ist dennoch nicht unumstritten. Unterschiedliche Bewertung erfahren einerseits seine Aktivitäten im Jüdischen Antifaschistischen Komitee der Sowjetunion und bei der Zusammenstellung des Materials für „Das Schwarzbuch. Der Genozid an den sowjetischen Juden“ sowie seine Rolle als Ansprechpartner für die Probleme der jüdischen Bevölkerung der Sowjetunion bis weit nach dem Krieg, andererseits sein Verhältnis zu Juden als Sowjetbürgern und zu Israel.

„Quo vadis, Ilja Ehrenburg in Rostock?“

Podiumsdiskussion mit Kommunalpolitikern

04.06.2009 | 19.30 h – 22.30 h
Peter Weiss Haus (ehemaliges HDF) – Rostock

Seit Jahren schwelt der Streit um den Namen der Ilja-Ehrenburg-Straße in Rostock-Toitenwinkel. 2007 gründete sich deshalb die Initiative Ilja Ehrenburg. Ihr Beitrag für die Wahlkampfzeit ist die Ausstellung „Ilja Ehrenburg und die Deutschen. Im Vorfeld der Kommunalwahl wollen wir mit Vertretern von Parteien, Wählervereinigungen und natürlich den Rostocker Einwohnern diskutieren, wie sich die Stadt zukünftig mit dem Straßennamen auseinandersetzen und das Gedenken an den Menschen Ilja Ehrenburg bewusst gestalten kann.

Tagesaktualität hat die Veranstaltung durch die erneute Schändung des Straßenschildes der Ilja-Ehrenburg-Straße vor einigen Tagen erhalten, indem mutmaßliche Neonazis den Straßennamen durch Hitlers Stellvertreter Rudolf Heß ersetzten.

Auf dem Podium nehmen Platz: Dr. Maria Pulkenat (AUFBRUCH 09), Günter Althaus (DIE LINKE), Christoph Friederich (FDP) und Johann-Georg Jaeger (GRÜNE) sowie Vertreter weiterer Parteien und Wählervereinigungen.

„Ilja Ehrenburg und die Deutschen“

Leben und Werk des sowjetischen Schriftstellers und Publizisten Ilja Ehrenburg (1891-1967) zeigt ab Freitag eine Ausstellung von Soziale Bildung e.V. und der Initiative Ilja Ehrenburg im Peter-Weiss-Haus.

Aus dem Deutsch-Russischen Museum Berlin-Karlshorst kommt die Ausstellung „Ilja Ehrenburg und die Deutschen“ jetzt nach Rostock. Nach geschichtlichen Perioden des 20. Jahrhunderts gegliedert, veranschaulicht sie in Bildern, Texten und Zitaten Ehrenburgs Rolle in seiner Zeit. Für den deutschen Betrachter besonders aufschlussreich sind ihre Materialien über Ehrenburgs Lebensjahre in Deutschland, seine Arbeit als Dokumentarist des faschistischen deutschen Vernichtungskrieges gegen die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg und die Kampagne der Deutschen Soldaten-Zeitung und National-Zeitung gegen die Herausgabe seiner Memoiren in der Bundesrepublik Deutschland Anfang der 60-er Jahre.

In Rostock dürfte die Ausstellung besonderes Interesse finden: Regelmäßig werden Forderungen erhoben, die Ilja-Ehrenburg-Straße in Rostock-Toitenwinkel umzubenennen. Auch dazu gibt es hier Informationen.

Zum Begleitprogramm gehören Vorträge, Filme, Führungen mit Diskussion für Schüler, ein Gespräch mit Einwohnern von Toitenwinkel und ein Podium mit Rostocker Kommunalpolitiker_innen.

Die Ausstellung läuft vom 8. Mai bis 28. Juni im Peter-Weiss-Haus (ehemaliges HdF).

Öffnungszeiten: Mo-Fr: 14-18 Uhr, Do: 14-20 Uhr, So: 10-16 Uhr

Eröffnung: 8. Mai, 19 Uhr

Kontakt: Initiative Ilja Ehrenburg, Tel. 0176-24894316,
für Schulen: Soziale Bildung e.V., 0381-4618248

Geschichtsrevisionisten wollen in Bentwisch die „Fremdverwaltung“ Deutschlands abschütteln

Eine Pressemitteilung der Antifa A3 Rostock vom 15.01.2009

An diesem Sonnabend, den 17. Januar, findet im Hotel „An der Hasenheide“ in Bentwisch eine Veranstaltung der selbsternannten „Bürger des deutschen Reiches“ statt. Unter dem Titel „Deutschland unter Fremdveraltung“ stellen sie die rechtliche Legitimation der jetzigen Grenzen der Bundesrepublik Deutschland in Frage und versuchen neue Anhänger_innen für ihre revisionistische Ideologie zu gewinnen.

Als Ansprechpartner fungiert der Rostocker Peter Gädt und als Referent der aus Niedersteinbach kommende Erhardt Lorenz. Beide stammen aus dem Umfeld der so genannten „Reichsdeutschen“. Erhard Lorenz ist schon seit mehreren Jahren Mitglied der „Kommissarischen Regierung des Deutschen Reiches“ (KRR) und darüber hinaus Inhaber des „Kahltal-Verlag“, der unter anderem die „Deutsche Reichszeitung“ heraus gibt. Die „Deutsche Reichzeitung“ wie die „KRR“ ist eine Mischung aus Revisionismus, Antisemitismus, Esoterik und Verschwörungstheorien. Die selbst ernannten „Reichsbürger“, die sich in diversen konkurrierenden „Regierungen“ zusammenfinden, leugnen die Existenz der Bundesrepublik Deutschland als demokratisch verfasster Rechtsstaat und behaupten: „Das Deutsche Reich ist nicht untergegangen!“ In ihren Augen ist die Bundesrepublik völker- und verfassungsrechtlich illegal und stehe unter „Fremdverwaltung“ der alliierten Siegermächte des Zweiten Weltkrieges. Neben ihren selbst ausgestellten „Reichsbürgerpässen“, „Reichsführerscheinen“ und anderen „offiziellen“ Reichsdokumenten, welche gegen Gebühr erworben werden können, haben sie sich auch eine des Öfteren tagende „Reichsregierung“ mit diversen „Ministerien“ zugelegt. Ihre Mitglieder bedrohen regelmäßig Personen des öffentlichen Lebens mit Schreiben, in welchen ihnen vorgeworfen wird, sich „als Kollaborateure der Feindmächte eines schweren Kriegsverbrechens gegen das Deutsche Volk schuldig gemacht“ zu haben. Sie verschicken Haftbefehle an Feinde des „Reiches“ und drohen mit der Todesstrafe.

Was man als absoluten Irrsinn ausmachen möchte, steht jedoch auch ähnlich im Parteiprogramm der NPD. Mit dem üblichen Vokabular der „Reichsdeutschen“ wird auch hier „Deutschland in seinen geschichtlich gewachsenen Grenzen“ gefordert. So heißt es von der NPD: „Die Wiederherstellung Deutschlands ist mit der Vereinigung der Besatzungskonstruktionen BRD und DDR nicht erreicht. Deutschland ist größer als die Bundesrepublik!“ Von daher ist es nicht verwunderlich, dass es personelle Überschneidungen zwischen der ultra-rechten NPD und den Reichsdeutschen gibt.

Zugleich versuchen sich die „Reichsdeutschen“ seit einigen Jahren an einer weniger auffälligen Strategie. Weg von dem Begriff „Reichsregierungen“ treffen sie sich an „runden Tischen“ oder finden sich unter dem Label „Interim Partei Deutschland“ zusammen. Ehemalige oder noch aktive Mitglieder der diversen „Reichsregierungen“ versuchen auf diesem Weg offensichtlich, den Ruf als Verrückte und Rechtsextreme zu umgehen. Unter neuen Namen wollen sie neue Zielgruppen ansprechen, die Inhalte bleiben jedoch die gleichen.

Erst kürzlich wurde dem Bürgermeister von Warin auf der rechtsradikalen Internetseite „Altermedia“ aus dem Umfeld der „Reichsdeutschen“ mit Mord gedroht, nachdem er die Aktivitäten der „Interim Partei Deutschland“ öffentlich gemacht hatte. Offensichtlich durchkreuzte der Bürgermeister die Pläne der Partei, eine Immobile in der Gemeinde zu erwerben, indem die Stadtvertretung den Grundbucheintrag nicht vornahm. Der Wariner Bürgermeister musste Polizeischutz erhalten.

Vor zwei Jahren etwa tagten die „Reichsbürger“ in Anklam. Dort schwadronierte man ähnlich wie auf der Internetpräsenz von einem Großdeutschland und leugnete offen den Holocaust. Solche antisemitische und geschichtsrevisionistische Propaganda ist in Bentwisch ebenfalls zu erwarten.

Unangekündigte Neonazi-Demonstration in der Nacht zu Sonntag in Rostock

Eine Presseinformation der Antifa A3 Rostock vom 28. April 2008

Sonnabendnacht gegen 23 Uhr demonstrierten etwa ein Dutzend vermummte Neonazis durch die Rostocker Innenstadt. Wie Augenzeugen berichteten, bewegte sich die mit Basecaps, Tüchern und Sonnenbrillen vermummte Gruppe aus Richtung des Neuen Marktes durch die Kröpeliner Straße über den Universitätsplatz in die Breite Straße, wo sie sich auflöste. Auf einem vorweg getragenen Transparent war „Gegen den Bombenterror in Rostock“ zu lesen, während aus einem Megaphon Parolen wie „Frei, sozial und national“ skandiert wurden. Beim Erreichen der Langen Straße löste sich die Demonstration auf. Polizei war nicht erkennbar präsent.

Bereits in der vergangenen Woche hatten Neonazis den Jahrestag die alliierte Bombardierung Rostocks im Jahr 1942 zum Anlass für ihre Propaganda genommen. Im Stadtgebiet waren Schmierereien und Plakate mit Sprüchen wie „Alliierter Bombenholocaust“, „Alliierter Massenmord“ oder „Nationaler Sozialismus jetzt“ aufgetaucht. Indem Rechte die Kriegsbemühungen gegen Nazi-Deutschland zu Verbrechen umdeuten, versuchen sie ihr verdrehtes Geschichtsbild zu verbreiten, nach dem der Zweite Weltkrieg eine Verschwörung gegen Deutschland gewesen und von diesem nicht begonnen worden sei.

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“Erneut Neonazi-Schmierereien in Rostock”
Eine Pressemitteilung mit Fotos von den Schmiererein vom 25. April 2008

„Rostock: Reinfall für Nazispontandemo“
Indymedia-Bericht über die Neonazi-Demo von Samstag

Räucher-Ware, geistige Heiler und esoterischer Antisemitismus

Esoterik-Messe wirbt in Rostock für Okkultismus und rechte Verschwörungstheorien
Eine Pressemitteilung der Antifa A3 Rostock vom 26. April 2008

Zum wiederholten Mal werden auf den „Esoterik und Naturheiltagen“, die vom 25. bis 27. April in den Räumen der Rostocker DKB-Arena Halt machen, Publikationen rechtsextremen Inhalts zum Kauf angeboten. Die Antifa A3 Rostock hatte bereits im Vorjahr auf die Schnittmengen zwischen Esoterik und Rechtsextremismus hingewiesen und die „Veranstaltungsagentur Häse“ zum Handeln aufgefordert.

Unter den rund 60 Ausstellern, die sich mehrheitlich die Ängste und Verzweiflungen vieler Messe-Besucher zu Eigen machen und ihnen mit absurden Heilversprechen das Geld entlocken, bietet die „Artha Versandbuchhandlung“ aus Oy-Mittelberg diverse Publikationen ausgewiesener Verschwörungstheoretiker und Geschichtsrevisionisten zum Kauf an. So werden dort unter anderem Bücher von Trutz Hardo, Stefan Erdmann und Jan Udo Holey [Jan van Helsing] vertrieben. Über den aktuellen Versand-Katalag werden u.a. auch Veröffentlichungen von Helena Blavatsky, Charles W. Leadbeater, Des Griffin und Thorwald Dethlefsen angepriesen, die sich in der Vergangenheit ebenfalls durch rassistische und antisemitische Thesen exponierten.

In Trutz Hardos „Karma – Handbuch“ heißt es sinngemäß, Opfer sexueller Vergewaltigungen hätten sich diese selbst zuzuschreiben, wären sie doch in einem früheren Leben selbst Vergewaltiger gewesen. Seine kruden Ansichten über karmische Reinigung, die er in seiner 1996 veröffentlichten Hetzschrift „Jedem das Seine“ offenbarte, brachten dem „braunen Esoteriker“ eine Verurteilung wegen Volksverhetzung, Beleidigung und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener ein. Das Buch, indem er den Holocaust – als Wunsch der Juden zur Befreiung von eigener Schuld – verharmlost, ist seit 1998 in Deutschland verboten.
Besonders brisant sind auch die Publikationen von Stefan Erdmann. Sein Zweiteiler „Banken, Brot und Bomben“, verlegt in Holeys „Ama Deus Verlag“, durfte wegen strafbarer Inhalte nicht in der Originalfassung veröffentlicht werden. Angebliche Pläne über die Errichtung einer „Neuen Weltordung“ versucht er darin, mit Verweis auf die gefälschten „Protokolle der Weisen von Zion“ nachzuweisen. So heißt es zum Beispiel im zweiten Band: „Die Protokolle, die Hauptthesen, wenn man so will, wurden bereits zu großen Teilen umgesetzt – das ist unzweifelhaft!“ Dem seit 1900 verbreiteten antisemitischen Pamphlet bedient sich auch der Holocaust-Leugner Jan Udo Holey, um eine jüdische Weltverschwörung zu belegen. In seinem zweibändigen, indizierten Werk „Geheimgesellschaften“ gibt Holey den Juden die Schuld am zweiten Weltkrieg, fabuliert von durch den israelischen Geheimdienst gesteuerten Neonazis und glaubt Helmut Kohl verschleiere seine jüdische Identität.

„Der durchschlagende Erfolg dieser Bücher zeigt, wie empfänglich Anhänger der Esoterik-Szene für antisemitische Verschwörungstheorien sind“, so Pressesprecher Lukas Strübl. „Esoterik wird häufig verharmlost und als Hokuspokus oder Privatsache abgetan“, meint Caroline Jürgens von der Antifa A3 weiter, „dabei ist unumstritten, dass esoterisch-rassistische Publikationen schon im Nationalsozialismus Hochkonjunktur hatten und die Rassenideologie maßgeblich beeinflussten. Neuauflagen rassistischer und antisemitischer Pamphlete, die unter dem Deckmantel der Esoterik breiten Bevölkerungsschichten zugänglich gemacht werden, müssen daher besonders beobachtet und entschieden zurückgewiesen werden.“

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Rechte Propaganda auf Rostocker Esoterik-Messe
Pressemitteilung der Antifa A3 Rostock vom 01.11.2007

Erneut Neonazi-Schmierereien in Rostock

In der Nacht zum Donnerstag haben unbekannte Täter Neonazi-Parolen in der Rostocker Innenstadt gesprüht. Die Antifaschistische Gruppe A3 warnt vor verstärkten rechten Aktivitäten.
Eine Pressemitteilung der Antifa A3 Rostock vom 25. April 2008

Auf einer Parole am Neuen Markt wird die alliierte Bombardierung Rostocks Ende April 1942 als „Bombenholocaust“ bezeichnet. In typischer Sprache der Neonazi-Szene wird damit nicht nur der im Ausmaß seiner Barbarei einzigartige Massenmord an sechs Millionen Juden relativiert. Gleichzeitig wird die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg auf Leiden der deutschen Bevölkerung beschränkt, während Angriffe und Terror der Nazis als eigentliche Ursachen ausgeblendet werden. „Alliierter Massenmord“ war auf einem nahestehenden rechten Plakat zu lesen. Auf einer weiteren Schmiererei in der Rungestraße wird „Nationaler Sozialismus jetzt“ gefordert.

„Mit jeder ihrer Taten beweisen Neonazis ihre Unfähigkeit zur Menschlichkeit“, so Caroline Jürgens, Pressesprecherin der Antifaschistischen Gruppe A3: „Einseitig und damit scheinheilig kritisieren sie die alliierte Kriegsführung, während sie gleichzeitig den historischen Nationalsozialismus zurücksehnen. Dass sie damit Verfolgung, Vertreibung und Mord an politischen Gegnern und unliebsamen Teilen der Bevölkerung herbeiwünschen, ist offensichtlich.“

„Bereits in den vergangenen Jahren hatten Neonazis den Jahrestag der Bombardierung Rostocks zum Anlass für ihre Propaganda genommen und etwa 2004 eine Demonstration mit 180 Teilnehmer_innen veranstaltet. Auch am kommenden Wochenende hält die Antifaschistische Gruppe A3 deshalb rechte Veranstaltungen für möglich. Zugleich weist sie auf verstärkte Neonazi-Aktivitäten in Rostock hin. Erst kürzlich wurde die Gedenkstele auf dem Jüdischen Friedhof mit rechter Symbolik beschmiert; immer wieder kommt es zu rechten Übergriffen, besonders aus dem Umfeld des Nazi-Ladens in der Doberaner Straße; vermehrt sind rechte Aufkleber im Stadtbild zu finden.

„In Rostock werden glücklicherweise viele Wege gegangen, gegen rechte Propaganda und Neonazis aktiv zu werden“, teilt Tobias Albrecht, Pressesprecher der Antifa A3, abschließend mit. „Auch weiterhin sind vielfältige Mitteln nötig, damit nicht nur rechte Propaganda erfolglos bleibt, sondern auch den Rechten jede Lust zur Aktivität genommen wird.“

Der Kampf um die Ilja-Ehrenburg-Straße [update]

Im Rostocker Wohngebiet Toitenwinkel wurden dieser Tage tausende Faltblätter mit Informationen über den russischen Schriftsteller und Antifaschisten Ilja Grigorjewitsch Ehrenburg verteilt, um den geschichtsrevisionistischen Verleumdungen gegenüber seiner Person entgegenzutreten und die Pläne zur Umbennenung der Ilja-Ehrenburg-Straße im Stadtteil Toitenwinkel zu durchkreuzen. Die ‚Initiative Ilja Ehrenburg‘ kündigt unterdessen – anküpfend an eine Veranstaltungsreihe zu Leben und Werk Ehrenburgs – weitere Veranstaltungen in Rostock an.

Als Reaktion auf die Ankündigung von Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling [parteilos], die Diskussion über die Umbennung der Straße wieder aufzurollen und in die Bürgerschaft zu tragen, gründete sich im April 2007 die ‚Initiative Ilja Ehrenburg‘. Die Initiative, an der sich das ‚Rostocker Friedensbündnis‘, die ‚Antifa A3 Rostock‘, die ‚VVN-BdA-Basisgruppe Rostock‘, die offene linke Jugendgruppe ‚LI*MO‘, der Kreisverband der ‚Linkspartei Rostock‘ und Einzelpersonen beteiligen, trat am 8. Mai – dem Tag der Befreiung – mit einem offenen Brief an den Oberbürgermeister und die Stadt Rostock an die Öffentlichkeit. Die darin enthaltenen Forderungen, „- den Namen der Ilja-Ehrenburg-Straße zu erhalten!, – die historische Berechtigung der Benennung Ilja-Ehrenburg-Straße öffentlich darzustellen und der Person Ilja Ehrenburg zu gedenken!, – geschichtsrevisionistischen Verleumdungen der Person Ilja Ehrenburg öffentlich entgegenzutreten!“, haben mittlerweile prominente Unterstützung gefunden. Unterzeichnet wurde er unter anderem von Prof. Lilly Marcou [Ehrenburgs französischer Biographin], Prof. Jochanan Trilse-Finkelstein [Literatur- und Theaterwissenschaftler], Gerhard Zwerenz [Schriftsteller], Prof. Heinz Deutschland [Historiker], Kai Degenhardt [Musiker] und Rolf Becker [Schauspieler].

„Deutschenhasser“, „Mordhetzer“ und „Kriegsverbrecher“?

Propaganda, Parolen und Provokationen rechter und konservativer Gruppierungen

Rechte Propaganda gegen die Ilja-Ehrenburg-Straße

„Antideutschen Hetzern keine Plattform geben!“, heißt es auf Aufklebern der ‚Mecklenburgischen Aktionsfront‘ [MAF], verbunden mit der Forderung die „Ilja-Ehrenburg-Straße ab[zu]schaffen!“. Hin und wieder zieren diese Nazi-Sticker – für die Neonazi und NPD-Landtagsmitarbeiter David Petereit verantwortlich zeichnet – Rostocker Laternenpfähle, bis couragierte Anwohner_innen sie auf direktem Weg dem Altpapier zuführen. Das augenscheinlich nicht allzuleichte Unterfangen, die Ilja-Ehrenburg-Straße im Rostocker Stadtteil Toitenwinkel „abzuschaffen“, ist – wie die nachfolgende Chronik zeigt – schon seit Jahren hehres Ziel von regionalen Neonazi-Strukturen und konservativen Kreisen:

März 1998
Unbekannte besprühen das Straßenschild der Ilja-Ehrenburg-Straße mit roter Farbe. Zeitnah bekundet Reinhard Busch, Autor des NPD-Organs ‚Deutsche Stimme‘ [DS], in einer „Information für die Bewohner der Ilja-Ehrenburg-Straße“ sein Unverständnis darüber, wie eine Straße nach einem „jüdisch-sowjetischen Propagandisten und Mordhetzer“ benannt sein kann.
Eine Straßenumbenennung wird – wie bereits 1993 – durch den ‚Ortsbeirat Toitenwinkel‘ und den ‚Ausschuss für Stadtentwicklung‘ abgelehnt.

Juli 2000
In der Regionalpresse beklagen sich Leser_innen mehrfach über den „Schandfleck [Ilja-Ehrenburg-Straße] in der Rostocker Stadtgeschichte“ und fordern die Bürgerschaft auf, die Straße unverzüglich umzubenennen. Zwischen 1993 und 2000 erreichten bereits 14 Protestschreiben die Hansestadt, in denen sich die Verfasser_innen über die Beibehaltung des zu DDR-Zeiten vergebenen Straßennamen echauffieren und sich dabei insbesondere auf Publikationen wie die ‚Junge Freiheit‘ oder ‚Der Schlesier‘ berufen.

Oktober 2000
In Rostock-Toitenwinkel tauchen Flugblätter der ‚Bürgeraktion – Unsere Zukunft – der Rostocker Bürger für Volksaufklärung, Meinungsfreiheit und Unabhängigkeit‘ auf, die Ilja Ehrenburg als „Mordhetzer“ brandmarken und für die Rüdiger Kahsner, Ex-FAP- und NPD-Mitglied aus Hagen, als presserechtlich Verantwortlicher zeichnet.

Frühjahr 2001
Die geschichtsrevisionistische ‚Vereinigung Gesamtdeutsche Politik e.V.‘ [VGP] stellt den Anwohner_innen der Ilja-Ehrenburg-Straße persönlich Broschüren zu, in der Ehrenburg u.a. als „Initiator des Holocaust an den Vertriebenen“ bezeichnet wird.

Mai 2001
Die Fraktion ‚Unabhängige Christliche Demokraten‘ [UCD], möchte keine Straße in der Welt, „insbesondere nicht in einer deutschen Stadt“, nach Ilja Ehrenburg benannt sehen und bringt einen Umbenennungsantrag in die Bürgerschaftssitzung ein. Nach Belieben der UCD soll die Straße in „Andrej-Sacharow-Straße“ umgetauft werden.

September 2001
‚Freie Kameradschaften‘, mobilisieren mit Unterstützung des ‚Nationalen und Sozialen Aktionsbündnis Norddeutschland’ [NSAN] etwa 300 Neonazis aus Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Berlin – unter ihnen auch zahlreiche NPD-Mitglieder – nach Rostock-Toitenwinkel. Im Zuge der Demonstration verhängen Neonazis das Straßenschild mit einem Müllsack und schlagen den Nazi-Bruchpiloten Rudolf Heß als neuen Namenspatron vor.

Oktober 2001
„Die Entscheidung ist ein Skandal“, empört sich ein Rostocker CDU-Parlamentarier darüber, dass der Versuch die Ehrenburgstraße umzubennen an den politischen Mehrheiten in der Bürgerschaft scheitert, obwohl selbst der ‚Ortsbeirat Toitenwinkel‘ derweil eine Umbenennung in „Max-Born-Straße“ in Erwägung zieht.

März 2002
Etwa 120 Neonazis aus dem Kreis der ‚Freien Kameradschaften‘ fühlen sich auf den Plan gerufen und demonstrieren im März 2002 erneut „Für die Umbenennung der Ilja-Ehrenburg-Straße.“ Bereits im Februar wurden die Anwohner_innen per Postwurfsendungen – die auf Lutz Dessau zurückgehen und in denen Ehrenburg zu einem der „größten Kriegsverbrecher aller Zeiten“ stilisiert wird – aufgefordert, sich der Nazi-Demonstration anzuschließen.

Mai 2002
NPD-Kader Lutz Dessau versucht die Debatte in der ‚Deutschen Stimme‘ wachzuhalten und ereifert sich darüber, dass die Stadt Rostock es sich erlaube ein Straße nach Ehrenburg zu benennen, welcher angeblich „während des Zweiten Weltkrieges Rotarmisten dazu aufrief, deutsche Frauen und Kinder zu schänden bzw. umzubringen.“

November 2002
„Soll man Unrecht auch noch loben?“, fragt die ‚Junge Union Rostock‘ in einem Brief, der die Haushalte der Ehrenburgstraße erreicht, um die Frage sogleich mit Nein zu beantworten. Um „Mord, Totschlag, Vergewaltigung“ und andere „Scheußlichkeiten“ nicht auch noch zu belohnen, bittet die JU die Leser_innen um Unterstützung.

April 2003
Die ‚Junge Union‘ fabuliert von einem „Verstoß gegen die Vorstellungen von Recht und Unrecht [, wenn] ein Kriegshetzer wie Ilja Ehrenburg als Namenspate für eine Rostocker Straße dient“, ruft zur Umbenennung auf und lädt unter dem Titel „Rostock braucht keine Kriegshetzer“ Einwohner_innen der Ilja-Ehrenburg-Straße zu einer Informationsveranstaltung ein.
Bezug nehmend auf einen Neonazi-„Trauermarsch für die deutschen Opfer des alliierten Luftterrors“, zu dem Mitglieder der ‚Aktionsgruppe Festungsstadt Rostock‘ [AGR] zum 26. April 2003 aufrufen, verteilen Neonazis nach eigenen Angaben über 25.000 Flugblätter an Rostocker Haushalte. Der Stadt Rostock werfen Sie in diesem Zusammenhang vor, „die Frechheit“ zu besitzen, „eine Straße im Stadtteil Toitenwinkel nach dem sowjetisch-jüdischen Mordhetzer und Kriegsverbrecher Ilja Ehrenburg zu benennen.“

Juni 2003
Die Aktionsgruppe Rostock [AGR] unterbreitet den Einwohner_innen von Toitenwinkel ein Pamphlet mit dem Titel „Ilja Ehrenburg – Der Mann ohne Ehre!“, für das Christian Worch verantwortlich zeichnet und indem – anhand nicht belegter Zitate – unterstellt wird, Ehrenburg hätte „sich das Töten von Deutschen zum Lebensziel gemacht“. Im selben Jahr überkleben Neonazis das von ihnen angeprangerte Straßenschild mit „Rudolf-Heß-Straße“.

April 2007
Die Ostsee-Zeitung berichtet, dass der Rostocker Oberbürgermeister Roland Methling in einer der nächsten Bürgerschaftssitzungen einen Beschluss über die Umbenennung der Ilja-Ehrenburg-Straße herbeiführen will. Entfacht wurde die neuerliche Diskussion u.a. durch Christoph Kleemann, Leiter der ‚Außenstelle Rostock der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes‘, der sich nach Erhalt eines Beschwerdebriefes aus Baden-Baden an die Präsidentin der Bürgerschaft wandte und diese aufforderte „eine schnellst mögliche Umbenennung anzuregen“.
Die NPD Mecklenburg-Vorpommern vermeldet im Internet kurz darauf euphorisch: „[…] kein Monument, das für nationale Erniedrigung steht, [ist] von Dauer – nicht einmal ein Straßenschild.“

Oktober 2007
„Endlich weg damit! Ilja Ehrenburg Straße abschaffen. Zionistischen Hetzern keine Plattform geben,“ heißt es auf hunderten von kleinen Flugzetteln, die Unbekannte vor den Eingang des ‚Max-Samuel-Haus‘ werfen. Ziel der Propaganda ist das Auditorium einer Lesung aus Ehrenburgs Roman „Das bewegte Leben des Lasik Roitschwanz“, mit der eine Veranstaltungsreihe zu Leben und Werk Ilja Ehrenburgs in Rostock eröffnet wird.

November 2007
In Rostock werden Aufkleber mit der Aufschrift: „Ilja-Ehrenburg-Straße abschaffen! / Rostock sagt NEIN / Antideutschen Hetzern keine Plattform geben!“ und einem Verweis auf die Internetseite der „Mecklenburgischen Aktionsfront“ [MAF] verklebt.

April 2008
Hunderte Flugzettel mit den bekannten MAF-Parolen gegen die Ilja-Ehrenburg-Straße werden mehrfach in den Straßen von Rostock – insbesondere vor öffentlichen und universitären Einrichtungen in den Ortsteilen Innenstadt und Steintor-Vorstadt, sowie nahe der Ehrenburg-Straße in Toitenwinkel – gestreut. Dort wird auch zum wiederholten Mal eines der Straßenschilder mit roter Farbe beschmiert.


… the show must go on


Wie die Jüdische Zeitung im Dezember 2007 berichtete, ließ OB Roland Methling inzwischen vermelden, dass der Vorgang die Ilja-Ehrenburg-Straße umzubennen vorerst ruhe, „die Diskussion um die Person und das Werk von Ilja Ehrenburg [hingegen] aufmerksam und mit großem Interesse verfolgt“ werde. Zudem sei er sich wohl durchaus darüber im Klaren, dass er Neonazis und Geschichtsrevisionisten mit einer Umbenennung aktiv in die Hände spielen würde. Eine klare Abfuhr erteilt er ihnen nicht.

Die Bestrebungen über Ilja Ehrenburg zu informieren und auf eine eindeutige Positionierung der Stadt hinzuarbeiten dauern folglich an. Am 8. Mai wird der Osteuropawissenschaftler Prof. Dr. Wolfgang Geier aus Leipzig die Veranstaltungsreihe der ‚Initiative Ilja Ehrenburg‘ über Leben und Werk Ehrenburgs mit einem Referat über „Antisemitismus in der Sowjetunion“ vorerst abschließen. Weitere Veranstaltungen sind in Planung. Darunter auch eine etwaige Präsentation der international beachteten Ausstellung „Ilja Ehrenburg und die Deutschen“ in Rostock, die vom Deutsch-Russischen Museum Berlin-Karlshorst Unterstützung findet. „Wir wünschen uns, dass die Ausstellung auch die Unterstützung der Hansestadt Rostock bekommt“, heißt es in einer Pressemeldung der Initiative.

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Ilja Ehrenburg: Schriftsteller, Dichter, Übersetzer, […]
Faltblatt der ‚Initiative Ilja Ehrenburg‘ über Leben und Werk Ilja Ehrenburgs und die Rostocker Ilja-Ehrenburg-Straße.

Ilja-Ehrenburg-Straße muss ihren Namen behalten!
Offener Brief an die Hansestadt Rostock und eine Unterschriftenliste zum Erhalt der Ilja-Ehrenburg-Straße.

Ehrenburgs Engagement gegen den Faschismus

Prof. Dr. Arkady Tsfasman, Mitglied der Jüdischen Gemeinde Rostock, spricht am 16. Dezember um 17 Uhr im Gebäude der Jüdischen Gemeinde, Augustenstr. 20, zum Thema „Antifaschistische Tätigkeit und antifaschistisches Literaturschaffen Ilja Ehrenburgs“.

Das Eintreten gegen den Faschismus war eine der großen Konstanten in Ehrenburgs Leben und Schaffen. Seine internationalen Erfahrungen hatten ihn das Emporkommen und den Charakter des Faschismus schon früh erleben lassen, und er setzte sich, auch entgegen Umschwüngen in der offiziellen Politik der Sowjetunion, leidenschaftlich für seine Bekämpfung ein: als Mitorganisator der Internationalen Schriftstellerkongresse zur Verteidigung der Kultur gegen den Faschismus, im Spanischen Bürgerkrieg auf der Seite der Volksfront, als Autor des Romans „Der Fall von Paris“, als Mitglied des Jüdischen Antifaschistischen Komitees, in seiner Kriegspublizistik, als Berichterstatter von den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen und als Aktivist der Weltfriedensbewegung. Über seine Verantwortung als Schriftsteller in dieser Auseinandersetzung schrieb er: „Die Diplomaten kennen Verdünnungszonen, neutrale Pufferstaaten. Aber mir war klar: Zwischen uns und dem Faschismus lag auch nicht der schmalste Streifen Niemandsland. In der Vergangenheit mag es Zeiten gegeben haben, in denen der Künstler seine Menschenwürde bewahren konnte, ohne auch nur für eine Stunde seine Kunst aufzugeben. Unsere Zeit verlangte von jedem Menschen nicht das Feuer der Inspiration, sondern tägliche Opfer, Verzicht.“

Prof. Dr. Arkady Tsfasman ist Historiker, Ehrenmitarbeiter des Hochschulwesens der Russischen Föderation und Ordentliches Mitglied der Akademie der Geisteswissenschaften St. Petersburg. Seine Veröffentlichungen befassen sich mit Themen wie der politischen und Kulturgeschichte Deutschlands, dem Stalinismus und der Historiographie Russlands und der Sowjetunion. Die Arbeit der Rostocker Jüdischen Gemeinde unterstützt er durch Vorträge und Publikationen.

Der Vortrag wird in russischer Sprache gehalten, vor Ort erfolgt eine Übersetzung ins Deutsche. Die Veranstaltung beginnt mit Informationen über die Arbeit der Initiative Ilja Ehrenburg, nach dem Vortrag laden wir zur Diskussion ein. Der Eintritt ist frei; Spenden sind willkommen.

*Die Initiative Ilja Ehrenburg arbeitet für die Erhaltung des Namens der Ilja-Ehrenburg-Straße in Rostock-Toitenwinkel. Sie informiert über Leben und Werk des sowjetischen Schriftstellers und Publizisten und fördert das Gedenken an seine Person.
Mitglieder der Initiative Ilja Ehrenburg: Antifaschistische Gruppe A3, LI*MO, DIE LINKE. Kreisverband Rostock, VVN-BdA Basisorganisation Rostock, Rostocker Friedensbündnis und Einzelpersonen.

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„Antifaschistische Tätigkeit und antifaschistisches Literaturschaffen Ilja Ehrenburgs“
Veranstaltungsflyer der Initiative Ilja Ehrenburg.

Ilja-Ehrenburg-Straße muss ihren Namen behalten!
Offener Brief an die Hansestadt Rostock und eine Unterschriftenliste zum Erhalt der Ilja-Ehrenburg-Straße.