Archiv der Kategorie 'Rostock-Lichtenhagen'

Lichtenhagen ’92: „Es war für viele ein Fest“

Podium beklagt unzureichende Aufarbeitung des Pogroms
Eine Pressemitteilung der Initiative „Lichtenhagen begreifen“ vom 05. Oktober 2007

Mit einer lebhaften Podiumsdiskussion endete am Donnerstag, dem 4. Oktober 2007, die sechswöchige Veranstaltungsreihe „Verantwortung denken – Erinnerung schaffen“, mit der die Initiative „Lichtenhagen begreifen“ durch Vorträge und Diskussionen an das Pogrom von Rostock-Lichtenhagen erinnerte. Der Frage „15 Jahre Lichtenhagen – aufgearbeitet, vergessen oder verdrängt?“ stellten sich, neben Prof. Dr. Hajo Funke von der FU Berlin, Phuong Kollath von „Diên Hông“ und Adelheid Pevestorf vom Ortsbeirat Lichtenhagen, sowie Lena Fassnacht von „Bunt statt Braun“ und ein Vertreter des Opferberatungsvereins „Lobbi“. Durch die Abendveranstaltung in der Aula der Universität Rostock führte Torsten Raedel.

„Die Brandkatastrophe von Rostock Lichtenhagen vor 15 Jahren ist im Bewußtsein der Gefahren von Vertretern der Landes- und Teilen der Bundesregierung zugelassen worden,“ so Hajo Funke zu Beginn der Diskussion. Rechtsextremisten, die applaudierende Menge und zahlreiche Jugendliche, die später mit ihren „Heldentaten“ prahlten, konnten ungestört agieren, weil die politisch Verantwortlichen nicht gehandelt hätten. „Es war für viele ein Fest,“ umschreibt Funke die zynische Pogromstimmung jener Tage im August 1992.
Jeden Morgen führte der Weg von Adelheid Pevestorf seinerzeit über die Grünfläche vor der Zentralen Aufnahmestelle für Asylbewerber (ZAST): „Es war ein Jammer zu sehen wie Sinti und Roma dort hausen mussten.“ Diese unhaltbaren Zustände hätten alte Vorurteile aufgewärmt und die rassistische Stimmung innerhalb der Bevölkerung anwachsen lassen. „Wichtig ist das hier nichts verharmlost wird und nichts unter den Tisch fällt,“ so Pevestorf, die sich von der Veranstaltungsreihe angetan zeigte. Von tendenziöser Berichterstattung distanziere sich der Ortsbeirat jedoch, zumal dies nichts zur notwendigen Aufarbeitung beitrage.
„Der Krieg den ich bis zum 10. Lebensjahr in Vietnam erlebt habe, verfolgt mich jetzt hier wieder,“ schilderte Phuong Kollath ihre persönlichen Erinnerung an die Pogromnächte. Sie hatte selbst zehn Jahre im „Sonnenblumenhaus“ gelebt und engagiert sich seit 1994 bei „Diên Hông“. Der Verein gründete sich unmittelbar nach den rassistischen Ausschreitungen, um den Vietnamesen Schutz zu bieten und rassistische Vorurteile abzubauen.
In der Kritik stand vorallem die unzureichende Auseinandersetzung der Stadt und der Umstand, dass auch 15 Jahre später noch kein Mahnmal an die Ausschreitungen von Rostock-Lichtenhagen erinnert. Funke würde es begrüßen, wenn von der Stadt ein klares Zeichen ausgeht und „so ein Mahnmal in der Mitte der Stadt exisitiert.“

Die Initiative „Lichtenhagen begreifen“ kündigte an, auch gegenwärtig Debatten um die Erinnerung an das Pogrom von Lichtenhagen anzustoßen, um die Ereignisse zurück ins Gedächtnis zu holen. Eine bereits geplante Veranstaltung mit der deutsch-französischen Journalistin Beate Klarsfeld soll noch in diesem Jahr nachgeholt werden. Klarsfeld kämpft seit Jahrzehnten für die Aufklärung und Verfolgung von Naziverbrechen und versuchte im Oktober 1992 mit einer Delegation französischer Juden, gegen den massiven Widerstand der Stadt Rostock, ein Gedenken an die Ausschreitungen in Lichtenhagen durchzusetzen.

„Aufgearbeitet, vergessen oder verdrängt?“

Eine Veranstaltungsankündigung der Initiative „Lichtenhagen begreifen“ vom 01. Oktober 2007

Zum Abschluss der Veranstaltungsreihe „Verantwortung denken – Erinnerung schaffen“, mit der die Initiative „Lichtenhagen begreifen“ durch Vorträge und Diskussionen an die rassistischen Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen 1992 erinnern möchte, findet am 04.10.2007 um 19.00 Uhr in der Aula der Universität Rostock (Universitätsplatz 1) eine Podiumsdiskussion statt. Die Frage „15 Jahre Lichtenhagen – aufgearbeitet, vergessen oder verdrängt?“ wird an diesem Abend aus Sicht engagierter Menschen der Rostocker Zivilgesellschaft, der Anwohner des Stadtteils Lichtenhagen, der heute in der Hansestadt lebenden Migranten, aber auch aus wissenschaftlicher Perspektive diskutiert. Unter anderem wird darüber debattiert, welche Konsequenzen die öffentliche Auseinandersetzung hatte und welche Rolle die Erinnerung an die Ereignisse im August 1992 heute im öffentlichen Bewusstsein spielt. Im Podium werden u.a. der Berliner Politologie Prof. Hajo Funke, Adelheid Pevenstorf vom Ortsbeirat Lichtenhagen, Phuong Kollath vom Verein Dien Hong, sowie Lena Fassnacht von Bunt statt Braun e.V. und AktivistInnen, die sich wahrend und nach den Ausschreitungen dagegen positioniert haben.

„Von Lichtenhagen in den Landtag“

Andreas Speit warnt vor Wandlungen der rechtsextremen Szene
Eine Pressemitteilung der Initiative „Lichtenhagen begreifen“ vom 11. September 2007

Die rechtsextreme NPD, Kameradschaften und völkische Bünde waren gestern Schwerpunkthemen der Veranstaltungsreihe „Verantwortung denken. Erinnerung schaffen.“ zur Erinnerung an das Pogrom von Rostock-Lichtenhagen im Jahr 1992. Der Hamburger Sozialwissenschaftler und Journalist, Andreas Speit, warnte davor einfach über die Modernisierung der einst reaktionären Altherrenpartei NPD hinwegzusehen.

Während die NPD 1992 politisch ein Rand-Dasein fristete, hätten sie es nach der Einschätzung von Andreas Speit, durch eine „strategische Umorientierung und programmatische Neuausrichtung“ geschafft, in der Mitte Fuß zu fassen. Neben verbindlichen Wahlabsprachen und der Zusammenarbeit zwischen NPD und Kameradschaften, sieht Speit den Erfolg der NPD vor allem im Ausbau der kommunalen Verankerung begründet. „Vor Ort Themen aufgreifen und sich vor Ort um die Leute kümmern,“ sei laut Speit die offizielle Devise der rechtsextremen Partei beim Kampf um die Gunst der Wählerstimmen. „Die Janusköpfigkeit der NPD“, die vor Gewalt zur Durchsetzung politischer Ziele nicht zurückschreckt, sei durch Einschüchterungen politischer Gegner im Wahlkampf deutlich geworden.
Michael Andrejewski ist nach Ansicht von Speit ein Paradebeispiel dafür, wie es Neonazis “von Lichtenhagen in den Landtag” geschafft haben. 1992 verteilte Andrejewski in den Neubaugebieten um Rostock-Lichtenhagen Flugblätter, die zum „Widerstand gegen die Ausländerflut“ aufriefen. Heute ist er Abgeordneter der NPD im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern.

Mit Vorträgen und Diskussionsrunden erinnert die Initiative „Lichtenhagen begreifen“ noch bis zum 4. Oktober 2007 mit einer Veranstaltungsreihe an das Pogrom von 1992. Die Ausschreitungen standen in unmittelbarem Zusammenhang mit der Debatte um die Begrenzung des Asylrechts in Deutschland. Jene Maßnahmen, die immer zu Lasten von Asylsuchenden gingen und ihren Höhepunkt in der faktischen Abschaffung des Grundrechts auf Asyl – als Folge des Pogroms – fanden, werden am kommenden Mittwoch, dem 19. September, thematisiert. Die Veranstaltung „Vom Recht auf Asyl zum Abwehrkampf gegen Flüchtlinge“ mit Dipl.-Sozialökonomin und No-Lager-Aktivistin Gisela Reher, beleuchtet die fortgeschrittenen Maßnahmen zur Abwehr von nicht-gesteuerter Migration und beginnt um 19 Uhr im Haus Böll (Mühlenstraße 9).

An der Auseinandersetzung mit der bisherigen Aufarbeitung des Pogroms und seinen politischen Auswirkungen, beteiligt sich unter anderem auch die deutsch-französische Journalistin Beate Klarsfeld, die seit Jahrzehnten für die Aufklärung und Verfolgung von Naziverbrechen kämpft. Zum Abschluss der Veranstaltungsreihe wird mit einer Podiumsdiskussion, bei der Betroffene, Entscheidungsträger und Beobachter zu Wort kommen, ein Blick auf den öffentlichen Umgang mit den Ereignissen von 1992 geworfen und hinterfragt, welche Bedeutung die Erinnerung an Lichtenhagen heute hat.

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„Verantwortung denken. Erinnerung schaffen.'‘
Flyer zur Veranstaltungsreihe

„NPD-Verbot ist das Gegenteil von Auseinandersetzung“

Hitzige Diskussionen über Rassismus ‚aus der Mitte’ in der Rostocker Universität
Eine Pressemitteilung der Initiative “Lichtenhagen begreifen” vom 05.09.2007

Gemeinsam mit Freerk Huisken und der Initiative ‚Lichtenhagen begreifen’ diskutierten gestern etwa 70 Interessierte im Rostocker Institut der Physik über Rassismus und ein Verbot der NPD. Die Veranstaltung „Warum Demokraten die (Neo-)Faschisten nur verbieten, nicht aber kritisieren können“, war Teil der Veranstaltungsreihe „Verantwortung denken. Erinnerung schaffen.“ zur Erinnerung an das Pogrom von Rostock-Lichtenhagen.

Freerk Huisken, Professor der Universität Bremen, hat sich unter anderem in „Deutsche Lehren aus Rostock und Mölln“ und „Brandstifter als Feuerwehr: Die Rechtsextremismus-Kampagne“ ausführlich mit Rassismus und den Ereignissen von Lichtenhagen auseinandergesetzt.
Huisken ging der Frage nach, inwieweit die Demokratie Neofaschismus selbst hervorbringt und wie der Umgang damit zu bewerten ist.

Der Fall Mügeln habe gezeigt, wie die „allgemeine Verbreitung von Rassismus“ angeführt wird, um neofaschistische Gewalt zu verharmlosen: „Der Sumpf aus dem sich der organisierte Rechtsextremismus nährt – und wie im Fall „Lichtenhagen ’92“ Beifall klatscht – soll mit dem organisierten Rechtsextremismus nichts zu tun haben,“ kritisierte Huisken und geht auf Konfrontation mit Parteipolitikern: „Alle Politiker teilen den nationalistischen Standpunkt zu Deutschland, der bei den Neofaschisten auch zu finden ist. […] Die verprügelten Inder fallen den Politikern nur ein, aufgrund der Angst um das moralische Ansehen und den Standortfaktor Deutschland.“
Im „Kern der Verbotsdebatte“ demokratischer Parteien um die rechtsextreme NPD, sieht Huisken „die parlamentarische und außerparlamentarische Konkurrenz durch Neofaschisten“. Laut Huisken, käme ein NPD-Verbot dem Ende der Auseinandersetzung gleich, außerdem würde hier „mit faschistischen Methoden gegen Faschisten“ vorgegangen. Zu seinem Bedauern, weicht die inhaltliche Auseinandersetzung mit der Programmatik neofaschistischer Parteien und Organisationen oftmals der Stigmatisierung und dem Ruf nach staatlicher Gewalt.

Die NPD, so genannte „Freie Kameradschaften“ und neonazistische Gewalt werden am 10. September noch mal Schwerpunktthema der Veranstaltungsreihe sein. Der Hamburger Journalist und Autor, Andreas Speit, wird über den „modernen Rechtsextremismus“ referieren. Speit recherchiert seit Jahren zur Neonazi-Szene in Norddeutschland. Aktuell veröffentlichte er: „Rechtsextremisten in Norddeutschland. Wer sie sind und was sie tun!“. Die Veranstaltung „Von Lichtenhagen in den Landtag“ beginnt um 19 Uhr beim Verein „Dau wat“, Am Schmarler Bach 3.

Bis zum 4. Oktober 2007 erinnert die Initiative „Lichtenhagen begreifen“ mit Vorträgen und Diskussionsrunden an das Pogrom von 1992. An der Auseinandersetzung mit der bisherigen Aufarbeitung der Ereignisse, beteiligen sich unter anderem namhafte Referentinnen und Referenten wie Beate Klarsfeld, Andreas Speit und Dr. Hajo Funke.

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Freerk Huisken
Texte, Termine und weitere Informationen von und über Huisken

„Verantwortung denken. Erinnerung schaffen.'‘
Flyer zur Veranstaltungsreihe

Aus der ‚Mitte der Gesellschaft’

Initiative „Lichtenhagen begreifen“ diskutiert Rassismus und NPD-Verbot
Eine Pressemitteilung der Initiative “Lichtenhagen begreifen” vom 03.09.2007

Freerk Huisken, Professor an der Universität Bremen, wird in Zusammenarbeit mit der Initiative ‚Lichtenhagen begreifen’ am Dienstag, den 04. September 2007, über Rassismus aus der ‚Mitte der Gesellschaft’ referieren. Die Veranstaltung „Warum Demokraten die (Neo-)Faschisten nur verbieten, nicht aber kritisieren können“ beginnt um 19 Uhr im Institut der Physik am Universitätsplatz 3.

Huisken wird der Frage nachgehen, inwieweit das demokratische Deutschland den Rassismus, aus dem Neonazis den Nährboden für ihre menschenverachtende Propaganda ziehen, selbst hervorbringt und wie der Umgang mit rechtsextremen Parteien wie der NPD zu bewerten ist.
„Wenn demokratische Volksparteien den ‚rechten Rand’ besetzen und so neo-faschistischen Parteien die Wähler abspenstig machen wollen und wenn Demokraten als Mittel gegen die neuen faschistischen Parteien nur einfällt, was Faschisten gegen demokratische Parteien eingefallen ist, nämlich das Verbot, dann gilt es einmal unvoreingenommen zu prüfen, ob wirklich den ‚Anfängen zu wehren’, also die Demokratie vor Faschisten zu schützen ist,“ so Huisken.
Freerk Huisken veröffentlichte unter anderem „Deutsche Lehren aus Rostock und Mölln“ und „Brandstifter als Feuerwehr: Die Rechtsextremismus-Kampagne“.

Unter dem Beifall von tausenden, schaulustigen Anwohnern und nahezu unbehelligt von der Polizei kam es im August 1992 im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen zu den massivsten ausländerfeindlichen Ausschreitungen der deutschen Nachkriegsgeschichte. Nachdem Asylbewerber monatelang gezwungen waren, ohne Zugang zu sanitären Einrichtungen und Nahrungsmitteln, vor der Zentralen Aufnahmestelle für Asylbewerber (ZAst) zu kampieren, begannen, die zuvor in der Lokalpresse angekündigten, pogromartigen Ausschreitungen auf eine Flüchtlingsunterkunft und ein benachbartes Wohnheim von Vertragsarbeitern aus Vietnam.

Die Initiative „Lichtenhagen begreifen“ erinnert mit der Veranstaltungsreihe „Verantwortung denken. Erinnerung schaffen.“ an das Pogrom von 1992. Namhafte Referentinnen und Referenten werden vom 29. August bis zum 4. Oktober 2007 in Vorträgen und Diskussionsrunden die Hintergründe des Pogroms beleuchten und sich kritisch mit der bisherigen Aufarbeitung auseinandersetzen.

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Freerk Huisken
Texte, Termine und weitere Informationen von und über Huisken

“Verantwortung denken. Erinnerung schaffen.‘’
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„The Truth lies in Rostock“

Gestern Eröffnung von Veranstaltungsreihe zu „Lichtenhagen ’92″ – Dokumentation soll breitem Publikum zugänglich gemacht werden
Eine Pressemitteilung der Initiative “Lichtenhagen begreifen” vom 30.08.2007

Mit dem Film „The Truth lies in Rostock“ (Die Wahrheit lügt in Rostock) und einem Vortrag von Augenzeuge Ols Weidmann, der am Film mitgewirkt hatte, wurde gestern eine Veranstaltungsreihe zur Erinnerung an das Pogrom von Rostock-Lichtenhagen eröffnet. Etwa 40 Zuhörer waren der Einladung der Initiative „Lichtenhagen begreifen“ in den Waldemarhof gefolgt, um die Ereignisse von 1992 zurück in den Blick der Öffentlichkeit zu holen.

Auch 15 Jahre nach dem Pogrom von Rostock-Lichtenhagen stand das völlige Fehlverhalten von staatlichen Behörden und Polizei in der Kritik. Lichtenhagen sei beispielhaft dafür, „wie es für einen kurzen Zeitraum möglich war, dass Behörden gänzlich die Kontrolle verlieren und Verantwortlichkeiten wissentlich von sich weisen“, so Rechtsanwalt Ols Weidmann. Betroffen zeigte sich eine Zuhörerin und verwies darauf, dass „seltsamer Weise noch immer keine Gedenktafel an das Pogrom von Rostock-Lichtenhagen erinnert.“

„The Truth lies in Rostock“ sollte die „Situation in der Stadt einfangen“ und „Erklärungen liefern, von Menschen die dort wohnen,“ beschreibt Ols Weidmann die Entstehung der umfassenden Dokumentation über die Ereignisse von 1992. Nach einem dreiviertel Jahr intensiver Arbeit wurde der Film zunächst im britischen, später im deutschen Fernsehen ausgestrahlt und in zahlreiche Sprachen übersetzt. Für die Uraufführung in Rostock diente einst der Barocksaal im Rathaus. Das „Institut für neue Medien“ sucht derweil Förderer, um das zeitgeschichtliche Dokument 15 Jahre später in DVD-Format zu übertragen, um es einem breiten Publikum zugänglich zu machen.

Mit mehreren Ankündigungen in der Lokalpresse begannen im August 1992 die Angriffe auf eine Flüchtlingsunterkunft in Rostock-Lichtenhagen und griffen schnell auf ein benachbartes Wohnheim von Vertragsarbeitern aus Vietnam über. Fast unbehelligt von der Polizei und mit Unterstützung tausender Anwohner konnten die Angreifer tagelang wüten. Um „Einsatzwillen“ zu zeigen wurden hingegen Antifaschisten festgenommen, die mit einer spontanen Demonstration ihre Solidarität mit den Angegriffenen bekunden wollten.

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Verantwortung denken. Erinnerung schaffen.“ thematisieren vielfältige Veranstaltungen und Podiumsdiskussionen vom 29. August bis zum 4. Oktober 2007 und Podiumsdiskussionen mit namhaften Referentinnen und Referenten die Geschehnisse von 1992 und beleuchten die Hintergründe des Pogroms. Am 4. September wird Freerk Huisken, Professor an der Universität Bremen, über Rassismus aus der Mitte der Gesellschaft referieren. Die Veranstaltung „Warum Demokraten die (Neo-)Faschisten nur verbieten, nicht aber kritisieren können“ beginnt um 19 Uhr im Institut der Physik am Universitätsplatz 3.

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„Verantwortung denken. Erinnerung schaffen.'‘
Flyer zur Veranstaltungsreihe

„Verantwortung denken. Erinnerung schaffen.“

Antifaschistische und Antirassistische Gruppen erinnern mit einer Veranstaltungsreihe an das Pogrom von Rostock-Lichtenhagen
Eine Pressemitteilung der Initiative „Lichtenhagen begreifen“ vom 28. August 2007

Die sechswöchige Veranstaltungsreihe „Verantwortung denken. Erinnerung schaffen.“ zur Erinnerung an das Pogrom von Rostock-Lichtenhagen wird am Dienstag, dem 29.08.2007, von der Initiative „Lichtenhagen begreifen“ im Waldemarhof eröffnet. Zur Auftaktveranstaltung wird Augenzeuge Ols Weidmann die Ereignisse schildern und die damalige Situation bewerten.

Rechtsanwalt Ols Weidmann wurde 1992 in den angegriffenen Häusern Augenzeuge und Betroffener der Ausschreitungen. Im Waldemarhof, in der Waldemarstraße 33, wird er um 20 Uhr von seinen Erfahrungen berichten und die damalige Situation bewerten. Im Anschluss wird der Dokumentarfilm „The truth lies in Rostock“ gezeigt.

„Aktuelle Vorfälle in Mügeln und Bützow zeigen, dass die stetige Erinnerung an das Pogrom von Rostock-Lichtenhagen und eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit neonazistischer Gewalt und Rassismus notwendig ist,“ erklärt Pressesprecher Lukas Strübl: „Es kann nicht sein, dass 15 Jahre nach den Ausschreitungen in Rostock wieder Menschen, unter den Augen vieler Anwohner, von Neonazis durch die Straßen gehetzt werden, während Polizei und Behörden untätig bleiben“.
Auch Pressesprecherin Corinna Hirsch fordert mehr Zivilcourage: „‚Lichtenhagen ´92’ bleibt ein Symbol für das Umschlagen von Rassismus und Nationalismus in mörderische Gewalt, für die fortdauernde Ausgrenzungspolitik gegenüber Migrantinnen und Migranten und nicht zuletzt für Verdrängung und Schlussstrichmentalität angesichts der kollektiven Scham über das Pogrom“.

Im August 1992 griffen über mehrere Tage hinweg hunderte Neonazis, unter dem Beifall tausender Anwohnerinnen und Anwohner, die zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber und das benachbarte Wohnheim im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen an. In Erinnerung an dieses menschenverachtende Ereignis initiiert ein Bündnis antifaschistischer und antirassistischer Gruppen die Veranstaltungsreihe „Verantwortung denken, Erinnerung schaffen“. Vom 29. August bis zum 4. Oktober 2007 thematisieren vielfältige Veranstaltungen und Podiumsdiskussionen mit namhaften Referentinnen und Referenten die Geschehnisse von 1992 und beleuchten die Hintergründe des Pogroms.

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„Verantwortung denken. Erinnerung schaffen.'‘
Flyer zur Veranstaltungsreihe